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Mittwoch, 5. November 2014

November – ein Monatsbild

Vers © elbwolf, Grafik © saxonia44


November 

          Ein Martin war einst unter denen, derer wir gedenken
                 im Nebel-Monat, und von dem es mit Gewissheit hieß,
                        dass er nicht zögerte, den Bettelarmen zu beschenken,
                               der fror, weshalb er seinen halben Mantel ihm beließ.
          Solch Handeln ist durchaus nicht allgemein geworden –
          Denn wer so teilt, erhält dafür ja keinen Orden.

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Kleine weltliche November–Agenda

Zählung
Wer von den Monatsnamen alle richtig kennt,
Der müsste sich nicht sonderlich besinnen:
Der neunte war’s, jetzt elfter Monat! – nur verpennt,
Als man einst früher ließ das Jahr beginnen.

Namensgebung
In Holland war als Schlachtemonat er bekannt,
Die Deutschen hießen ihn – begreiflich –  Nebelung,
Karolus Magnus hat nur Windmond ihn genannt;
Als Trauermonat dient er der Erinnerung.

Bauernregeln
Behalten Bäume lange noch ein grün’ Gewand,
Dann kommt um vieles später erst der Winter.
Hüllt allerdings der Nebel ständig ein das Land,
So sieht man Massen Schnee schon jetzt dahinter.

Martinsgans
Im Angesicht des Mönchs aus Tours ehrt man die Gans:
Sie hat mit Schnattern einst zum Bischof ihn gemacht;
Am Elften ist sie heut’ für jeden Stimulans,
Dem sie zum Schmaus gebraten in der Pfanne lacht.

Karnevalssitzung
Am gleichen Elften haargenau um elf Uhr elf
Ruft jeder Elferrat (wer sonst?) zu tollen Tagen.
Manch Büttenrede nehmen Jecken als Behelf,
Um Streit von Köln nach Düsseldorf zu tragen.

Büttenrede
(Kurzfassung; das Original aus Köln einst „eigenohrig“ im ZDF gehört)
Ein Düsseldorfer hatte den Löffel abgegeben, sich am Himmelstor gemeldet, war aber von Petrus aufgefordert worden, zunächst im Empfangsraum Platz zu nehmen. Dort hingen die Wände voller Uhren, die allesamt die Zeit verschieden anzeigten und auch ganz unterschiedlich schnell gingen. Als Petrus einmal hereinschaute, fragte ihn der D-dorfer nach dem Grund. Ach, das seien gar keine Uhren – sie wären je­weils einer Stadt zugeordnet und würden nur weiterschalten, wenn dort gerade ein Dummer zur Welt käme! Erst nach einer ganzen Weile dämmerte es dem D-dorfer, dass er unerwartet die Riesenchance hätte, den uralten Streit darüber zu beenden, ob es mehr Dumme in Köln oder in D-dorf gäbe! Er entdeckte auch bald die Uhr von Köln, deren Zeiger komischerweise nur höchst selten einen Schritt weiterrückten; die Uhr von Düsseldorf fand er dagegen nirgends. Als Petrus erneut hereinsah, frag­te er ihn danach und bekam als Antwort: „Stimmt, die haben wir in die Küche umge­hängt und benutzen sie dort als Ventilator.“

© elbwolf, 05.11.2014
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