Diesen Blog haben wir 11/2016 neu gestaltet und führen ihn im Team weiter. Das verspricht mehr Vielfalt - wie man wohl schon an unseren Gesichtern ablesen könnte.
Allen Besuchern - herzliches Willkommen und viel Vergnügen bei/mit unseren Gedichten!
Im SEPTEMBER 2017 setzen wir mit "Kölsch" von einer Kölner Poetessa die Mundart-Dichtung mit eingeladenen Gästen fort. Außerdem ergänzen wir bereits begonnene Serien, u. a. über "Verschwindende Wörter". Und sonst - mal sehn!

Dienstag, 28. März 2017

Die vier Jahreszeiten – Winter

Alfons Maria Mucha (1860-1939): "Winter" (li: Ölgemälde, 1896 / re: Dekoratives Paneel, 1897)
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: Public domain
Stein und Bein –
Sonett auf den Winter

Uns fröstelt schon. Die Kälte kommt herein,
es wechselt unaufhörlich, dieses Wetter!
Die Wege werden nass, bald immer glätter;
und ohne Warnung friert es Stein und Bein.

Dann schneit es über Nacht, hüllt alles ein;
die Bäume, kahlgeschoren, ohne Blätter,
sie wirken in der weißen Pracht viel netter;
vom Dachrand glitzert Eis so bläulich fein.

Nun greifen wir zum wärmeren Gewand,
um in der Kälte draußen nicht zu leiden,
bezwingt der Frost doch jetzt das ganze Land.

Ein Außer-Hause-Sein lässt sich nicht meiden …
Die Frau nimmt bald das Vogelzwitschern wahr
und füttert mitleidsvoll die ganze Schar.

elbwolf (WH, Februar 2016)

Sonntag, 26. März 2017

Die vier Jahreszeiten – Herbst

Alfons Maria Mucha (1860-1939): "Herbst" (li: Dekoratives Paneel, 1897 / re: Ölgemälde, 1896)
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: Public domain

Rost und Laub –
Sonett auf den Herbst

Der Sommer wurde nun des Herbstes Raub;
die warme Zeit, die ich bewahrt gern hätte –
vorüber! Triller einer Klarinette –
verweht! Und nun wird um mich alles taub.

Die Erde deckt ein Bett aus Rost und Laub,
das ich empfinde als die Wirkungsstätte
von gänzlich unverkennbarer Palette,
und weiß schon heut': Auch die wird schließlich Staub.

Jetzt aber zeigt der Herbst erst einmal Farben,
legt noch die gold'nen Töne obenauf,
als ahnte er sein baldiges Finale.

Dann aber fällt die Welt doch in ein Darben,
und alles endet seinen Jahreslauf
in Winters eisig-blauer Kathedrale.

© immergruen (A.W.)

Freitag, 24. März 2017

Die vier Jahreszeiten – Sommer

Alfons Maria Mucha (1860-1939): "Sommer" (li: Ölgemälde, 1896 / re: Dekoratives Paneel, 1897)
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: Public domain

Pralles Leben –
Sonett auf den Sommer

Der Sommer schenkt wie immer pralles Leben;
sein Füllhorn reicht bei ihm fürs ganze Land;
viel Buntes ziert danach des Weges Rand,
wo Blütenkelche sich zur Sonne heben.

Die Falter scheinen himmelwärts zu streben;
die Vöglein putzen zwitschernd ihr Gewand,
vom Wipfel eines Baums erklingt das Band
der Lieder, wenn sie Wunschkonzerte geben.

Wir atmen auf und werden wieder froh,
sind angeregt von all den Jubelliedern –
dank ihrer brennen Herzen lichterloh.

Wer fühlt nicht Kraft erneut in müden Gliedern?
Hält – zögernd immer noch – sich nun bereit
und wirft sich endlich in sein neues Kleid.

© lillii (L-R, Februar 2016)

Mittwoch, 22. März 2017

Die vier Jahreszeiten – Frühling (I. Schauer a. G.)

Alfons Maria Mucha (1860-1939): "Frühling" (li: Dekoratives Paneel, 1897 / re: Ölgemälde, 1896)
Quelle: wikimedia.commons; Liz.: Public domain



Sehnsucht lodert –
Sonett auf den Frühling

Wenn alle Fluren grünen auf die Schnelle,
der alte Apfelbaum von Blüten träumt,
wenn Lebensfreude manchmal überschäumt,
erliegt das Dunkel zeitgemäß der Helle.

Wenn alle Kater pflegen ihre Felle,
kein Vögelchen mit Singen länger säumt,
die Lisa bei der Arbeit sich verträumt,
dann schreibt der Dichter endlich die Novelle.

Und grüßt den Frühling, den herbeigesehnten,
wie jedes Jahr, wir freuen uns so sehr,
weil wir das große Glück bei ihm entlehnten.

Die Winterkleidung lieben wir nicht mehr.
Nun lodert Sehnsucht auf und allerorten,
sind Herzen froh und öffnen Lebenspforten.

© Ingeborg Schauer
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Das Versbildner-Team freut sich sehr, dass Ingeborg Schauer als
unser Gast die Sonett-Folge auf die "Vier Jahreszeiten" eröffnet.
Sie veröffentlicht ihre Gedichte zumeist in der Abteilung Eigene
Gedichte
der Community "Seniorentreff" im Internet. An dieser
Stelle waren unsere vier Sonette erstmals Anfang 2016 eingestellt.

Montag, 20. März 2017

Die vier Jahreszeiten – Einführung

Johann Nepomuk Hautmann (1820-1903): Skulpturen im Gartenparterre von Schloss Linderhof.
Die Vier Jahreszeiten: Frühling (Flora) | Sommer (Ceres?) | Herbst (Bacchus) | Winter
Eigene Fotos, Bearbeitung, Montage & ©: elbwolf, 11.05.2015, 13:20

Werke der bildenden Kunst mit dem Motiv der vier Jahreszeiten, …
… wie die hier abgebildete Skulpturengruppe aus Ludwig II Schloss Linderhof, gibt es in beträchtlicher Anzahl, die noch deutlich anwächst, wenn man weitere Kunstgattungen hinzunimmt – Malerei, Musik, Literatur. Nebenbei: Einen zusammenfas­sen­den Artikel hierüber sucht man sogar in der Wikipedia vergebens!

Auf diese Einführung folgen dann einzeln unsere Sonette zu den vier Jahreszeiten, denen die Bilder aus den gleichnamigen Jugend­stilzyklen Alfons Muchas von 1896 und 1897 beigegeben sind.
Zunächst aber sei aus einer kunstwissen­schaftlichen Studie 1) über die Linderhof-Plastiken und ihre Versailler Vorbilder das zitiert, was ein bildender Künstler alles in eine solche Motivserie hineinlegt und zu beachten hat.
./.
"Alle Linderhofer Steinskulpturen, mit Ausnahme der Monopteros-Venus, wurden nach Vorlagen aus Versailles geschaffen …
LeBrun ²) hielt sich mit seinen Entwürfen gerade bei diesen Figuren (der vier Jahreszeiten) am wenigsten an die Angaben Cesare Ripas ³), der alle vier … durch Frauen personifizierte … Bei LeBrun dagegen sind Winter und Herbst männliche Figuren. Ihre Gegenstücke in Linderhof sind dort die einzigen männlichen Figuren unter den Vierergruppen."

"Beim Frühling meint Ripa nicht viel Worte verlieren zu müssen, da die Figur selbsterklärend sei, denn durch Girlanden und Sträuße verschiede­ner Blumen, die sie trage, werde gezeigt, dass sich alle diese Pflanzen in dieser schönen Jahreszeit erneuerten. Der Frühling erscheint in Gestalt der mit einem Blumenkranz gekrönten Flora, die mit ihrer Linken einen Blumenkorb über der Hüfte trägt. Das dünne Kleid lässt die Brust frei. Der Mantel bedeckt ihre linke Schulter, den linken Arm, einen Teil des Rückens und ihren Körper von den Hüften abwärts. Ihr linkes Standbein ist teilweise unbedeckt; sie ist barfuss.
Beim Vergleich … Versailles und Linderhof fallen die Unterschiede der Physiognomien auf: In Versailles hat Flora ein klassisches, idealisiertes Gesicht, in Linderhof wirkt es porträthaft und natürlich."

"Auch bei der Figur des Sommers hielt sich LeBrun mehr an mittelalter­liche Monatsdarstellungen als an die Vorgaben Ripas, der diese Jahreszeit als ein mit Kornähren bekröntes junges Mädchen beschreibt, das er mit einer brennenden Fackel versieht, um die große Hitze, die die Sonne im Sommer verbreitet, anzudeuten. Allerdings könnte man auch hier, wie beim Winter, an eine Götterdarstellung denken, nämlich an die der Ceres, die mit ihren Attributen, den Getreidegarben, wie bei den Versailler Jahreszeiten-Brunnen, als Personifikation des Sommers dienen kann. In Versailles und Linderhof ist der Sommer eine junge Frau, die eine Sichel in ihrer erhobenen Rechten hält und eine aufgestellte Korngarbe mit ihrer Linken fasst. Geringe Unterschiede weist die Faltung der hochgeschlossenen und bis zu den Füßen reichenden Kleider auf."

"Die Versailler Figur des Herbstes in Gestalt des Bacchus … wirkt schlanker, weniger muskulös und hochgewachsener als die entsprechende Linderhofer Figur; die Hüfte über dem rechten Standbein ist in Versailles weniger ausgestellt. Bacchus stemmt seine Rechte in die Hüfte, in der erhobenen Linken hält er einen verzierten Pokal. Sein Haupt ist mit Weinlaub und Weintrauben bekränzt. Das Gewand schlingt sich um den erhobenen linken Arm und seine Hüften; es fällt in Linderhof hinter der Figur sehr breit zu Boden und dient zusammen mit dem ebenfalls stark vergrößerten Weinkörbchen neben dem rechten Standbein als kräftige technische Stütze. Der überquellende Weinkorb ist reich mit Weintrauben und eingesprengten Blättern gefüllt ..."

"Die Figur des Winters in Linderhof unterscheidet sich vom Versailler Vorbild vor allem durch das Gesicht und die Draperie: Der Mantel ist zwar in gleicher Weise um Körper und Haupt gewunden wie in Versailles, doch weniger reich an Falten und Verschlingungen und wirkt dadurch ärmlicher; er fällt hinter den Beinen bis zum Boden, die Holzscheite sind weggelassen. Das Gesicht des Alten ist in Linderhof viel hagerer; der Bart wirkt weniger gepflegt, die Barthaare strahlen zottelig nach allen Seiten aus, während sie an der Versailler Figur in mehreren sorgfältig gelegten lockigen Strähnen nach unten fallen … die Linderhofer Version [erweckt] gerade wegen eines etwas stärker gekrümmten Rückens, des ungepflegten Bartes, des einfacheren Mantels und der fehlenden Holzscheite stärker den Eindruck eines gebeugten, auch wegen seiner Armut frierenden Greises."

Verweise:
1) Rolf Kurda: "Garten- und Bau-Plastik unter König Ludwig II. Linderhof und Herrenchiemsee" (2009)
²) Charles LeBrun (1619-90) leitete die Arbeiten zur Ausstattung der Schlösser Vaux-le-Vicomte und Versailles und war einer der bedeutendsten und prägendsten Künstler des Stiles Louis XIV
³) Cesare Ripa (~1555-1622) verfasste 1593 ein ikonografisches Wörterbuch, das zu einer unerschöpflichen Quelle für Kunst und Literatur des Barock geworden ist.
 Anm.: Das Foto der Winter-Figur ist wegen der ästhetischen Wirkung der Montage vertikal gekippt
./.

Mehr an Auskünften und weitere Beispiele …
• liefert z. B. Seemanns Lexikon der Kunst (Bd.2, S.446/7):
"… der Wechsel der vier Jahreszeiten und deren regelmäßige Wiederkehr wurden zum Symbol der Zeit, der Vergänglichkeit und des Kreislaufes von Werden und Vergehen, von Leben und Tod." Obwohl das Thema schon in der Antike gestellt wurde, gab es erst ~1565 mit P. Brueghel d. Ä. umfassende Darstellungen jahreszeitlicher Landschaften.

Einzelne Skulpturengruppen ab dem Barock nennt die Wikipedia:
•• im Rokoko-Garten, Schloss Veitshöchheim, südl. Ovalkabinett (F. Tietz, 1765);
•• in Radebeul b. Dresden, Fontainenplatz, Rondell mit Figurengruppe Vier Jahreszeiten;
•• in Bremen-Schwachhausen, im Bürgerpark beim Park Hotel Bremen;

• Die Tradition der Jahreszeiten-Darstellung scheint im vergangenen 20. Jahrhundert weitgehend versiegt zu sein … oder doch noch nicht ganz?
•• am Marktplatz in Güglingen, Skulptur von P. Schelzle, 2007;  Liz.: CC 2.5
•• in Berlin-Schöneberg, Skulpturengarten AVK (J. Schmettau, 2008, Liz.: CC 3.0)

 In vielen Touristenführern über Dresden liest man eine peinliche Verwechslung: die Skulpturengruppe an der Treppe vom Schlossplatz auf die Brühlsche Terrasse stellt nämlich die Vier Tageszeiten Morgen, Mittag, Abend und Nacht dar (Schilling, in Stein gehauen 1868; in Bronze nachgegossen 1908).

Freitag, 17. März 2017

Jahreszeit-Wechsel – ein Vers-Potpourri

Winterpanaroma in der Eifel bei Monschau am 10. März 2006.
Beide Panaromafotos wurden an gleicher Stelle mit einem Kamera-Schwenk von 144° aufgenommen.
Urheber: coronna; Quelle: wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 3.0 (bearbeitet).
Frühlingspanorama in der Eifel bei Monschau am 15. Mai 2006



Der Frühling geht im Wintermantel

Der Frühling geht im Wintermantel
Und hat die warmen Socken an.
Der Winter hat ihm überlassen,
Was er nun nicht mehr tragen kann.

Er hält den Kragen hoch geschlossen,
Es fröstelt ihn trotz Winterrock,
Er lässt die Blumen nicht erblühen,
Die Bienen nicht aus ihrem Stock.

Vielleicht, nach ein paar Sonnentagen,
Wird ihm das warme Tuch zur Last.
Er wirft es in die Schmuddelecke. -
Ob ihm der grüne Rock dann passt?


Ein Märzentag im Silberlicht

Ein Märzentag im Silberlicht,
die Farben überborden.
Jetzt nur kein Schnee mehr und kein Frost,
kein kalter Wind von Norden.

Die Japankirsche im Tutu
aus rosa Tüll gewoben.
Des Winters graues Einerlei
ist über Nacht zerstoben.

Die Sonne klappt die Schatten um
auf Wegen und Alleen.
Die Augen schaun und können doch
nicht richtig satt sich sehen.

Ein Märzentag im Silberlicht
ist Leben, Neubeginnen.
Ist Hoffnung, Freude und Gefühl.
Genuss mit allen Sinnen.


Frühling

Saatenflaum bedeckt die Schollen,
bis der Wald ergrünt im Holz;
Weide lockt mit gelben Pollen –
und die Seele schlägt Kobolz.

Schneegestöber, Frühlingssonne,
Märzensturm und grüner Schnee,
Regen in der leeren Tonne –
denn der Winter sagt Ade.                    

Hoffnung kann man wieder nähren,
jeder Tag gewinnt an Licht;                  
Freude muss nicht innehalten –
Sie darf singen im Gedicht.           

© immergruen (A.W.)

Dienstag, 14. März 2017

Kontaktanzeigen-Epigramme

Notabene:

Epigramme heißen knappe (einstrophige) Verse, die einen einprägsamen Ausspruch oder eine Feststellung enthalten – eher also ein Genre abstecken! Das wird durch zugespitzte Behandlung von Personen oder Sachlagen erreicht. In heutiger Zeit darf man dabei (fast) jedes Versmaß einsetzen, nicht mehr nur ein antikes oder auf dem Alexandriner basierendes.
Vollreimende Vierzeiler bevorzugen übrigens die Strukturen aaaa, aabb und abab.

./.
Motto
Wer noch nicht die Einsamkeit des Schicksals knackte,
hofft, dass er ein Date erhielte per "Kontakte"!
Texte schreibt er nieder, richtige gelackte,
wirken tun die aber häufig wie beknackte –
DAS ist eben an der Chose das Vertrackte!

./.

"Ab und an etwas Verrücktes mit 'nem Kerl erleben!
Schreib mir, … was DU darunter verstehst …"

Verrückt!
Klar: SIE möchte mit 'nem Kerl etwas erleben!
Klar ist auch: ER sollte nach Verrücktem streben,
irgendwas, das auch die Kerlin ließ' erbeben …
Was sie will? Sie weiß es nicht. Das ist es eben!
  

Alexandre Brum: Hommage für Man Ray (Studio-Foto, 23.11.2007)
Urheber: Andréa Farias Farias (Brasilien); Quelle: wikimeda.commons; Liz.: CC-BY-SA 2.0

(44, w) "sucht 'Frau wie Cello' mit Kurven und Sinnlichkeit,
ohne Berührungsängste, aber mit viel Lust, Modell zu stehen."

Modello wie ein Cello
Frauen, sinnliche mit Kurven, die voll Lust
selbst Modell noch stehn, zu suchen – das bringt Frust!
Aber dann zum Überfluss auch noch "wie Cello" –
Eigentlich gibt's von Man Ray nur dies Modello!


"Naturverbundener Adam, gebunden, aber verführbar,
sucht Eva zum Naschen vom Baum der Erkenntnis …"

Genascht – vernascht!
Adam ist naturverbunden, hat aber schon ein Angebinde;
lieber wär er losgebunden; damit sich Eva um ihn winde.
Will mit ihr den Apfel naschen: genau den vom Erkenntnisbaum.
Kenntnisreicher will er werden – nicht stören bitte seinen Traum!


"Alter Junge (…, 186, 95) und immer noch ein Lausbub.
Ich wünsche mir eine … große, schlanke Frau für … und … mehr.

Lausbuben-Arithmetik
Ein Lausbub! Kennt er denn das Einmaleins?
Sein BMI *) scheint nämlich unsereins
für schlanke Frauen nicht berückend –
die fänden ihn bestimmt schon drückend


© elbwolf (W. H., 12.03.2017)
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Anmerkung:
Alle Zitate sind Ausschnitte aus Kontaktanzeigen, die jüngst in einem Presseerzeugnis
veröffentlicht waren. Die genaue Quelle wird aus naheliegenden Gründen hier nicht genannt.
*) Rechnen mit diesen Parametern ergibt: BMI = 95/1,86² = ~27,5

Samstag, 11. März 2017

Die Märzenfee

Johann Heinrich Vogeler (1872-1942): Frühling (1913)
Standort:
Oldenburger/Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte
Quelle. wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei



Die Märzenfee
(Sonett, mit Augenzwinkern)

Die Märzenfee, sie weckt mit ihrem Singen
den Frühling aus der winterlichen Stille:
durch feine Schleier hüllender Mantille
hört man gedämpft die zarten Töne klingen.

Ihr Lied wird rasch den Winterschlaf bezwingen,
denn zu der Fee gesellt sich bald die Grille,
und beide sehn durch eine Wunderbrille
die angeschwoll'nen Blütenknospen springen.   

Die Sonne unterstützt an diesem Morgen
mit einem Farbenspiel die frohen Weisen.
Verschwunden sind auf einmal alle Sorgen.

Schon sieht man in der Luft die Lerchen kreisen.
Erwacht ist die Natur zu neuem Leben –
das war bei Fee wie Grille auch Bestreben!

© lillii (L-R)

Mittwoch, 8. März 2017

Das Leben ist (k)ein Gedicht … oder?




Den Frauen gewidmet zum 8. März,
dem Internationalen Frauentag,
von (sage ich mal schlicht) einem
Liebhaber

Das Leben ist (k)ein Gedicht … oder?

Mit sechzehn bin ich einstens Dir begegnet,
und das ist eine Ewigkeit nun her;
auf meinen Antrag hattest du entgegnet,
selbst einfach Freundschaft halten wäre schwer.
Doch ließ ich den Gedanken nicht zerrinnen –
als Freundin konnte ich dich auch gewinnen.

Mit siebzehn war der Höhenflug gescheitert.
Du hattest mich ausdrücklich fortgeschickt,
Dein Urteil über mich war nun erweitert
und mit so mancher Einzelheit gespickt.
Ich zog Bilanz fürs Weiterlebenmüssen –
bezweifelte Erfahrung gar im Küssen …

Verheiratet warst Du und ich verlobt,
als man mit zwanzig saß erneut zu Tische;
Wir waren beide nicht mehr unerprobt,
doch taten zögernd Butter bei die Fische
Von da hielt man bei jeder Feierei
mir einen Platz an Deiner Seite frei.

Im Leben waren niemals wir ein Paar,
wiewohl das ringsum keiner kann begreifen.
Darüber hin ging dann so manches Jahr,
bis uns Beschwerlichkeit begann zu streifen.
Mit achtzig schaut man andachtsvoll zurück –
auch wenig an Gemeinsamkeit war Glück!

Wolfgang/elbwolf,
(
ganz speziell für meine Jugendliebe 
zum 8. März 2017)
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Zur Fotomontage:
Mitte:   Wikipedia Women's Day (Rastergrafik; 05/2014); Urheber: Viviwin. Liz.: CC-BY-SA 3.0
links:    Flowers for the beloved. Liz.: RIA Novosti archive, image #78642 / Dmitry Korobeinikov / CC-BY-SA 3.0
rechts: A girl is getting ready for March 8th holiday. Liz.: RIA Novosti archive, image #591524 / Vitaliy Ankov / CC-BY-SA 3.0
Quelle: wikimedia.commons; ©: alle drei Teilfotos sind einzeln und unabhängig voneinander lizenziert!

Montag, 6. März 2017

März – ein Monatsbild

Gerard Horenbout u. a.: Breviarium Grimani, Monatsbild März (Buchmalerei/Pergament, ~1510)
Standort: Nationale Markusbibliothek, Venedig; Quelle: Wikimedia.commons; gemeinfrei.
Das landwirtschaftliche Jahr jener Zeit fand seinen ersten Höhepunkt
im Pflügen des Ackers und Einsäen von Hand.

März – ein Monatsbild

Er ist der junge Ungestüme,
dem Mars den Monatsnamen gab –
der Kämpfer, der aus Winters Händen
nun übernimmt den Staffelstab.

Der Winter kämpft. Doch er ist müde,
und überlegen siegt der März.
Er trotzt dem Alten ohne Mühe.
Nur Leichtigkeit bewegt das Herz.

Der Bauer legt die neuen Samen
der Erde in den kühlen Schoß.
Die Wintersaat sprießt aus dem Boden –
im frühen Sommer ist sie groß.

Noch sind die Zweige ohne Blätter,
doch Knospen tragen sie schon lang.
Die Sonne weckt die starre Erde
zu opulentem Neuanfang.

Der März, den jährlich wir erleben,
er ist des Frühlings Neubeginn.
Der Tag, die Nacht sind in der Schwebe:
ein lebensfroher Zugewinn.

Der Bach beginnt sein lustig Springen;
die Wiesen steigen aus dem Braun;
die Veilchen und der Krokus sprießen;
das Efeu grünt am Gartenzaun.

Ein jeder März ist Auferstehung,

ist Dankbarkeit und auch Gebet.
Die lange winterliche Strenge –
sein Atem hat sie weggeweht.

© A.W. (immergruen, 04.03.2017)

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○ Link auf eine populäre Darstellung des März in mittelalterlicher Zeit.
○ Link auf eine Sammlung Lyrik- und Prosa-Titel über den März (1798-1965).

Samstag, 4. März 2017

Politischer Aschermittwoch – ein Resümee …



Politischer Aschermittwoch – ein Resümee …
          oder eher schon Menetekel?

Ist alles Volk erschöpft vom tollen Treiben,
dann schlägt die Stunde für die Politik,
wenn Volksvertreter sich die Hände reiben
und Gegner unterbuttern mit Kritik:
kein Blatt mehr hält man sich dann vor den Mund
und tut selbst größte Plattitüden kund –
          denn das ist Politik am Aschermittwoch!

Ihr liegt dabei nicht dran, dass man sie messe
an Taten, die verdienten Volkes Lohn –
man überlegt, wie man den Gegner fresse,
kippt kübelweise über ihn den Hohn.
Nur … besser ist man selber keinen Deut:
der einstens selbst Verhöhnte höhnt nun heut –
          schon immer Politik am Aschermittwoch!

Wie lange geben wir denn noch den Narren,
der zum Blabla der Worte gläubig nickt;
der sich als Stimmvieh spannt vor jeden Karren;
der sich in alles Missliche brav schickt?
Den man schon allerorten nur begafft,
weil er noch denkt, wir hätten - was? - geschafft –
          dann hat die Politik den Aschermittwoch!

elbwolf, anderntags auf Aschermittwoch 2017

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Eine Leserin hatte an anderer Stelle scharfsinnig bemerkt, "aus Sicht der Politik wäre dann wohl jeder Tag im Jahr Aschermittwoch". Ich möchte dazu sagen, dass eine 4. Strophe mit genau dieser Aussage geplant war – aber dann dachte ich, wer die Welt mit wachen Augen sieht, der schätzt das von selbst genau so ein! Die Überschrift habe ich aber doch noch um eine zweite Zeile erweitert:
"Menetekel" - das ist ein ernster Warnruf!