Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Samstag, 11. Dezember 2021

Monologe an die Liebste

 Liebe Freunde und Besucher unseres Blogs!

         Dieser Beitrag entstand als "lyrisches Anschauungsmittel" zu zwei einander sehr ähnlichen Formaten für den Bau großer Strophen. Seine Aussagen lassen sich in aller Kürze so zusammenfassen:
         "Diese lyrischen Formate besitzen ähnliche Reimschemas: die Siziliane hat "abababab", die Stanze – "abababcc". Sie werden hier unter dem Gesichtspunkt zusammengefasst, dass beide 8-zeilige Strophen bilden. Während für die Siziliane 11-/10-silbige Jamben als normal gelten, sind sie für die Stanze der Standard, wobei deren a-Verse sogar als 11-silbig vor­geschrieben sind."
         Ein echtes Problem ist es, dazu passende Illustrationen zu finden, aber eine kenne ich doch – eine zur "Scheinheiligkeit"! Sie hat vor vielen Jahren der Pariser Fotograf Robert Doisneau "geschossen" – er lebt nicht mehr, aber seine ©-Rechte gelten noch. Daher darf ich hier nur einen Link auf sein wirklich überzeugendes Produkt setzen, das er "Regard oblique" (schräger Blick; Seitenblick) genannt hat – le voilà:

Regard oblique-1          oder            Regard oblique-2

 

Monologe an die Liebste

 (1)    Scheinheilig

Du meinst doch nicht etwa, dass unsre Alten     a: u-u-u-u-u-u
uns hätten zwar recht sittsam aufgezogen         b: u-u-u-u-u-u
und sich nach außen scheinbar gut verhalten,   a: u-u-u-u-u-u
ganz insgeheim jedoch auch dies erwogen:       b: u-u-u-u-u-u
Um Dinge, die als sündhaft ihnen galten,           a: u-u-u-u-u-u
nicht stets zu machen einen weiten Bogen!       b: u-u-u-u-u-u
Da müssten wir bei jeglichem Verbot                 c: u-u-u-u-u-
erst sehn, hängt schief nicht unser eignes Lot!  c: u-u-u-u-u-

(2)     Sachliche Erwägung

Was auf dem Bilde dich so richtig kleidet,
ist, weil es dich wahrscheinlich manchmal packt,
und wer, wie ich, die Zweifel gerne meidet,
der denkt, du bist tatsächlich da fast nackt.
Das ist der Grund, weshalb man dir auch neidet
die Weiblichkeit – ich finde sie intakt.
Der wär' ein Narr, der unter Skrupeln leidet
und nicht sofort gleich alle Toppen flaggt!

(3)     Unzeit für Lyrik

Verzeih – ich werde mir erst jetzt bewusst,
dass meine Verse dich wohl manchmal plagen –
Ich hätte sie ja reimen nicht gemusst,
wenn ich geahnt, dass am Gemüt sie nagen!
Es reimt erwartungsvoll sich vor der Lust:
ich sage das mit sichtlichem Behagen
und Blick darauf, an was wir – fast robust,
weil miteinander sehr vertraut – uns wagen!

© elbwolf al. W.H.

Montag, 6. Dezember 2021

Zukunft oder Fragen zur Zeit

Die fünf Pandava-Brüder aus dem Mahabharata-Epos des Wayang Kults auf Java.
Autor: Gunawan Kartapranata, (2008); Indonesien

 Zukunft oder Fragen zur Zeit

Wie wird es sein in tausend Jahren –
gibt es noch Menschen in der Welt;
noch Menschen, die wie wir erfahren,
dass Liebe und Erotik zählt?

Besitzen wir noch die Organe
wie Leber, Lunge und das Herz;
wie sieht es aus im Weltenplane –
empfinden wir noch Freude, Schmerz?

Ob Pärchen sich in Liebe finden,
mit Kindern diese Liebe krönen;
dass diese Ziele nie verschwinden,
weil Menschen sich leicht umgewöhnen.

Sind Väter, Mütter und die Kinder
noch im Familienbund vereint?
Ob zaubert man aus dem Zylinder
ein Wesen, das als Mensch erscheint?

Computer sind allgegenwärtig –
ersetzen oft den andern Part;
sind sie verbraucht und minderwertig
muss Neues her: ist Gegenwart!

Computer haben keine Seele,
wir pflanzen ihnen keine ein,
wir brauchen gar keine Befehle,
um einfach menschlicher zu sein.

© Luzie-R. (Dezember 2021)
 

Mittwoch, 1. Dezember 2021

Unser Gast: Erika Müller-Pöhl mit Buchgrafik/12

 Kalenderblatt Dezember 2021

© Erika Müller-Pöhl – Buchumschlag zu Gottfried Keller: "Sieben Legenden".
(Ausgabe Kleine Erbe-Serie im ehem. Greifenverlag zu Rudolstadt, 1975)


Anmerkung:

Unseren Gast, die Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl, hat der 'Versbildner-Blog' bereits Mitte Januar vorgestellt – Vita, grafisches Werk, Bibliografie sowie den Buchumschlag zu den beiden Novellen 'Carsten Curator' und 'Der Herr Etatsrat' im I. Quartal 2021 hier gezeigt. Unter ihren buchgrafischen Arbeiten hat Erika-Müller-Pöhl die zur Ausgestaltung von Rainer Hohbergs 'Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt" besonders liebevoll ausgeführt - hier im II. Quartal gezeigt. Im III. Quartal schmückten unsere Kalenderblätter drei Illustrationen zu J. I. Kraszewskis historischem Roman "Gräfin Cosel".
In diesem Quartal zeigen wir drei Illustrationen zu Gottfried Kellers "Sieben Legenden" in der 'Kleine-Erbe-Serie' des nach 1989 gleich zweimal in die Insolvenz getriebenen Greifenverlags zu Rudolstadt. Der farbige Buchumschlag beschließt diese grafische Serie, die von den Anhängern unseres Blogs offenbar mit Interesse aufgenommen worden ist.

Auf die Beigabe von Versen wurde hier verzichtet, um den Besuchern des Blogs die Umstände der Entstehung des Keller'schen Werks näherbringen zu können und sie vielleicht anzuregen, sich die kleine Ausgabe anzuschaffen oder wenigstens den Text online zu lesen:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Keller,+Gottfried/Legenden/Sieben+Legenden

Auch die Wikipedia hält eine Bewertung und Aufarbeitung bereit:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Legenden
                                                                                                                                    /elbwolf al. W.H./

Samstag, 27. November 2021

Hanebüchene Physik-11: Japanische Flechtbrücken (mit Manfred Albert a. G.)

Japanische Flecht- oder Koibrücke
Prinzip-Skizze: M.Albrecht

 

Japanische Flecht- oder Koibrücken

Wer sind die Weltmeister im Flechten?
Nun sucht nicht lange nach den Rechten!
Man muss auch nicht viel Ahnung haben:
es flechten mit den höchsten Gaben
nur die Japaner … Bingo!

Sie flechten untern Po die Sitze
auf denen sitzt sich's einfach Spitze;
sie knarren, wenn man sich draufsetzt,
doch sind sie nicht gleich durchgewetzt,
setzt euch nur drauf … und Bingo!

Die Japan-Bäume in den Wipfeln
berühren sich mit ihren Gipfeln,
sie tragen Leitern in den Zweigen –
das spart ein Rauf- und Runtersteigen:
und man ist schneller … Bingo!

Auch über ziemlich breite Schluchten
gelingt das Sich-Hinüberwuchten:
mit Hilfe solch geflochtner Leitern
kann man am Ufer nicht mehr scheitern –
man kommt nach drüben … Bingo!

Geflochtne Leitern können's wagen
gemeinsam Lasten zu ertragen –
und sind nur deshalb so geflochten
weil sie sonst Tragen nicht vermochten.
Das gilt nicht nur in Japan!

© M.Albrecht & elbwolf

Sonntag, 21. November 2021

Kehraus-II bei eigenen Versen

Buchumschlag für das geplante Bändchen "Gedichte II"
Titelvignette:
Vilhelm Pedersen (1820-59):
Das Schäferstündchen des Schornsteinfegers (1849); Liz.: gemeinfrei.

  

Kehraus-II bei den eigenen Versen …

ja, liebe Fans und Zufalls-Besucher dieses Blogs!
Nach der Information über den ersten Teil eines Kehraus meiner Verse,
https://versbildner.blogspot.com/2020/12/kehraus-bei-den-eigenen-versen.html
habe ich einfach weitergeschrieben und bin jetzt ans Ende des zweiten Teils gekommen.
Vor dem abschließenden dritten Teil wird es nun Zeit, erst einmal die Möglichkeiten des "Gedruckt-Werdens" zu untersuchen. Eine Glosse drüber hatte ich schon geschrieben, nämlich unter
https://versbildner.blogspot.com/2021/10/wer-ist-noch-nicht-gedruckt-glosse.html
Wenn ich also zwar (noch) nicht gedruckt bin, so bin ich doch unter Druck, denn wenn man ÜBER Gedichte schreibt, ist es schwer, auch noch selber welche zu schreiben.
Bitte drückt mir die Daumen für eine erfolgreiche Suche und seid mit mir guter Hoffnung!

elbwolf (© für den Umschlagsentwurf)
(Pandemie-Spätherbst 2021)

Dienstag, 16. November 2021

November – ein Monatsbild (Herbstspaziergang)

Foto-©: die Verfasserin

Herbstspaziergang

November, voller Nebelschwaden,
in ihm sich Fluren, Wälder baden;
wo wirbelnd noch am Waldessaum
tanzt rotes Laub vom Ahornbaum.

Es wird nun still in der Natur,
man sieht, wie knorrig Baumstruktur
sich zeigt - bizarr, geheimnisvoll ...
als schwinge Stimmung Dur zu Moll.

Die Felder, die uns Nahrung gaben,
sind alle längst schon umgegraben.
Es ruht die Scholle, sie tankt Kraft
fürs nächste Jahr, dass sie es schafft.

Dass Saaten, Samen können sprießen;
der Jahreskreislauf kann sich schließen.
Den ersten Frost bringt schon die Nacht -
nicht weit ist Winters weiße Pracht.

© Luzie Rudde

Donnerstag, 11. November 2021

Ein vielseitiges Wort

Foto+©: der Verfasser (1.10.2021)
Ein vielseitiges Wort auf der passenden Tasse
(mit passendem Inhalt: schwarzer Tee mit Milch)


  Ein vielseitiges Wort


Den Tee trink ich aus einer hohen Tasse,
die ist aus Porzellan und schön verziert.
Damit sie sich mang andrer nicht verliert,
hebt sie ein Wort hervor aus aller Masse.

Dies Wort, vorn aufgemalt, das find ich klasse,
das ist nicht im Geringsten antiquiert,
es ist im Gegenteil ambitioniert,
doch so, dass es gleich jeder richtig fasse.

Der eingegossne Tee, welch edler Trunk!
lässt sich bei diesem Worte recht genießen:
es passt zum Tee als ein besondrer Prunk.

Vor Rührung könnten mir die Tränen fließen ...
Im Grund verspüre ich den Europäer –
beim Tee bleib lieber ich noch Pharisäer.

© elbwolf, 30.9.2021

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Anmerkung:
Dass unter der Bezeichnung Pharisäer auch ein Getränk mit Kultstatus aus Nordfriesland vermarktet wird, hat man mir erst soeben klargemacht. Hätte ich normalerweise für einen Friesenwitz gehalten, steht aber in der Wikipedia. Und der Höhepunkt scheint zu sein, dass die Tassenaufschrift eigentlich eine Tasse voll von jenem Getränk bedeuten soll!
O, diese Pharisäer, wollte sagen, diese Friesen!

Samstag, 6. November 2021

De Harvst

Foto + © L. Rudde: Herbst im Münsterland (2021)

 
De Harvst

De Harvst is trokken no inn't Land –
dat Koorn, de Äerpels inne Schüür
all dütt, dat is een grootet Pfand
för't Lewen, no wöd't nich to düür,
alls lagert föör de Wintertied:
de noahste Sommer is noch wied.

Dat Veeh, dat is lang uppen Stall;
de Rööpen, de sünd rundüm vull –
för so wat sorgt de Buren all.
För een paar Monde langt et wull –
se brukt noh fresen nich un smachten,
doa is alltieds good drupp to achten.

De Bööm, de smiet dat Loov herunner,
de Wind de wait't to groote Hopen,
doa kruupt de Winterschlöaper drunner,
so aff un an süht man se loopen.
Ant Herdfüür is't no mollig warm
un Moder nümmp eern Kind in'n Arm.

© Luzie Rudde

Montag, 1. November 2021

Unser Gast: Erika Müller-Pöhl mit Buchgrafik/11

 Kalenderblatt November 2021
© Erika Müller-Pöhl – Ill. zu Gottfried Keller: Die Jungfrau und die Nonne (S. 62)
(aus "Sieben Legenden", Ausgabe Kleine Erbe-Serie im ehem. Greifenverlag zu Rudolstadt, 1975)
Abb.: Die welterfahrene Ex-Nonne Bea weist des Barons Ansinnen auf freie Liebe zurück


Anmerkung:

Unseren Gast, die Buchgrafikerin Erika Müller-Pöhl, hat der 'Versbildner-Blog' bereits Mitte Januar vorgestellt – Vita, grafisches Werk, Bibliografie sowie den Buchumschlag zu den beiden Novellen 'Carsten Curator' und 'Der Herr Etatsrat' im I. Quartal 2021 hier gezeigt. Unter ihren buchgrafischen Arbeiten hat Erika-Müller-Pöhl die zur Ausgestaltung von Rainer Hohbergs 'Schachtelhälmchen – Pflanzenmärchen aus aller Welt" besonders liebevoll ausgeführt - hier im II. Quartal gezeigt. Im III. Quartal schmückten unsere Kalenderblätter drei Illustrationen zu J. I. Kraszewskis historischem Roman "Gräfin Cosel".

In diesem Quartal zeigen wir drei Illustrationen zu Gottfried Kellers "Sieben Legenden" in der 'Kleine-Erbe-Serie' des nach 1989 gleich zweimal in die Insolvenz getriebenen Greifenverlags zu Rudolstadt.

Insbesondere bei Kellers "7 Legenden" kann sich der Bearbeiter des Eindrucks nicht erwehren, dass Keller wohl ein gläubiger Mensch war, uns "Heutige" aber (in weiser Voraussicht!) schon damals ein wenig auf die Schippe genommen und vielleicht dabei sogar milde gegrinst hat … ungeachtet der Interpratationen, die die Nachwelt für Bildungszwecke herausgearbeitet haben mag – und mit der Bitte um Entschuldigung für meine Offenheit – W.H.

Die verwendeten Verse sind 4-füßige Anapäste, teils übervollständig. Wegen der Verslängen als 12/13-Silber war es vom Platzangebot erforderlich, jeden Vers auf zwei Zeilen zu verteilen, was an den Einrückungen kenntlich ist. Diese halbzeiligen Verspaare müssen also zusammenhängend gelesen und verstanden werden.

/elbwolf al. W.H./