Notabene: Den Titel "Alle
Vögel sind schon da" trägt ein sehr verbreitetes Frühlingslied, das in
vielen Kinder- und Schulliederbüchern steht – wie lange noch? Hoffmann von
Fallersleben verfasste es 1835. Die Melodie ist eine schon lange gebräuchliche Volksweise,
deren Herkunft aber unbekannt bleibt.
Der dreistrophige Text beschreibt und deutet die
Natur: (1) die Vogelarten als Frühlingsboten , die (2) als Vogelschar Frohsinn
verbreiten und damit (3) bewirken, dass auch die Kinder fröhlich sind. 1)
Es werden zwar im Liedtext Amsel, Drossel, Fink und Star genannt, aber das Wort "Zugvögel" steht
nicht dort. Wenn wir es also nicht ausdrücklich bemühten, dann könnte die Rede
auch von allen "Geschnäbelten" gehen – auf denn!
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Kraniche aus dem Ilkerbruch (NSG im
NW von Wolfsburg), in "V"-Formation fliegend.
Foto: 22.05.2016; Urheber: Peter Rohrbeck; Quelle: wikimedia.commons; Liz.:
CC-BY-SA 4.0
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"Alle Vögel sind
schon da …"
(2) – die Kraniche
Die Kraniche kehren heim aus dem Süden,
gereist in bewährter V-Formation.
Zurückbleiben nun die flügelmüden,
erschöpften Gefährten – wen wundert das schon?
Sie werden umkreist. Es bildet sich wieder
ganz wie von selbst ein perfekter Zug,
und unverkennbar erklingen die Lieder
des Kranichgesanges im hohen Flug.
Sie lassen sich nieder am Rande der Seen
und tanzen wie Ballerinen grazil
im Nebel des Morgens gleich schwebenden Feen
hochbeinig im Giacomettistil.
Bewerben die Weibchen in typischer Pose,
spreizen die Flügel und stelzen umher,
wühlen in Erde und Gräsern, die lose
sie werfen – es scheint, als zierten sie sich sehr.
Hat dann ein Weibchen Gefallen gefunden
an seiner erwählten Choreografie,
dann fühlt sie sich ihm fürs Leben verbunden
bleibt immer ihm treu, verlässt ihn nie.
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²) das gereimte Gedicht ist
in gleiche Strophen aus 4-hebigen Akzentversen gegliedert (s. Stummer, S.45)
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