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Johann Heinrich
Tischbein d. Ä. (1722-89): Die Muse Erato (1781);
Standort: Neue Galerie, Kassel; via
Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.
Aufräumen unseres Archivs förderte ein dort schlummerndes
Relikt lyrischer Tätigkeit zu Tage: aus dem "Wochenkalender 2011" mit
den besten Gedichten des (damaligen
und bald darauf leider eingestellten) Jokers-Lyrik-Preis-Wettbewerbs 2010. Wir haben uns
vergeblich um persönliche Kontakte bemüht und ersatzweise beim heutigen
Jokers-Verlag um Zustimmung nachgesucht, einige Gedichte zitieren und an ihren
Inhalten arbeiten zu dürfen.
Vielleicht meldet sich auch die
bei uns leider als verschollen
geltende Autorin, deren "Gedicht-Idee" uns beeindruckt hat.
Stefanie Warner (19. Woche, 2011): |
Musenkuss
/nach einer Idee von St. Warner/
– Sonett –
Erato küsst ihr Dichtervolk
beizeiten,
mit mir nur wird es mindest Mitternacht.
Mir passt das schon und ist auch vorbedacht:
dass sie denn gar nicht käm', will ich bestreiten.
Auch diesmal ließ ich mich so spät verleiten,
Was andres steht auch nicht in meiner Macht!
Sie küsst mich auf die Stirne – ach so sacht,
weil sicher sich, ich könnt' ihr nie entgleiten.
Das war nun schon an die vier Stunden her:
es scheint, jetzt dichte ich wohl doch nichts mehr –
die Muse selbst ist etwas ausgelaugt.
Wo ist sie denn, die ich beginn zu missen?
Sieh einer an – sie liegt auf meinem Kissen!
Vielleicht ein Umstand, der zu andrem taugt ...
© elbwolf
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