Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Samstag, 29. Oktober 2022

Ein Mann - ein Buch/8: Männer unter sich

Farbgrafik von Jules Huyot (1841-1921) nach Maurice Leloir (1853-1940)
zu einer Buchausgabe von Alexandre Dumas (1894)
Die drei Musketiere – Athos, Porthos, Aramis und d'Artagnan.
via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei

 

Männer unter sich

Wer ist denn nun ein wirklich starker Mann?
Gibt’s Konkurrenz? Ist die vielleicht gar groß?
Ein starker Mann ist einer, der was kann –
Die Frage ist: wie findet man den bloß!

Ja früge man die Männer "unter sich" ­– 
da schwölle jedem gleich die Hemdenbrust:
er fühlte diesen ganz besondren Stich,
der stets sich einstellt vor Beginn der Lust!

In längst vergangnen Zeiten ging es schnell:
da griff zum Degen man, dann später Colt,
und stürzte sich mit Feuer ins Duell,
denn um die Ehre schießen war gewollt!

Was gilt sie heute noch, die weiße West'?
Heut' macht der Manager doch auf "Cum Ex"
und nimmt vom Staat sich noch den letzten Rest
und das ist viel, da bist du ganz perplex!

Doch punkten kann auch so ein strammer Max:
Ist etwa mal ein Öffner nicht zur Hand,
liest er im "Männer-Buch", wie – ohne Flachs ­-
ans Bier man kommt in diesem deutschen Land!

© gitte (kurz vor der Umstellung auf WZ)

 

Samstag, 22. Oktober 2022

Ein selbständiges kleines Lyrik-Format

Kochen in einer deutschen Küche (Aufnahme: 03.04.2015):
Foto: André Bellingrodt; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0

Dem recht komplexen Lyrik-Format der Sestinen kann man sich in zwei Vorstufen nähern und Umgang wie Fertigkeiten antrainieren. Es scheint aber darüber hinaus, dass dieses beiden einfacheren Formate selbständig existieren können, wenn sie kleinere Vorhaben bedienen, die etwa als ein Mix von Nonsens, Scherz und Satire verstanden werden sollen.
Hier nehmen wir uns von den Vorstufen die erste und ganz einfache vor:

 

Es summt und brummt

Im Fluge hört man, wie die Biene summt;                         1: u-u-u-u-u-
die dralle Hummel aber ständig brummt.                          2: u-u-u-u-u-

Geräuschvoll ist die Hummel, wenn sie brummt;              2: u-u-u-u-u-
wie lieblich ist es, wenn die Biene summt.                        1: u-u-u-u-u-

Es summt die Biene – die Hummel aber brummt.        1|2: u-u-u|-u-u-

 

Ein paar Erläuterungen zum Format;
o das Format hat 2x2 + 2/2 = 4+1 = 5 Verse;
o die Verse 1-4 bilden 2 Strophen, der 5. Vers heißt Koda und ist Anhang;
o alle Verse sind 5-füßige Jamben (vollständig; übervollst. oder wechselnd);
o die Verse reimen selten; Vers-Enden heißen Zeilenschlusswörter "ZSW"
o die ZSW werden im Rhythmusschema durch die Ordnungsnummer ersetzt;
o in der Koda darf das erste ZSW bereits in ihrer ersten Hälfte stehen (s. o);
o
bei seinem 2. oder 3. Auftreten braucht ein ZSW nur letzter oder heraus-
   gelöster Teil einer Wortzusammensetzung zu sein.

 

Katz und Maus

"Miau" versetzt in Panik jede Maus,                                  1: u-u-u-u-u-
doch wie entrinnt die dann der Miezekatze?                     2: u-u-u-u-u-u

Das Mauseloch ist kleiner als die Katze –                         2: u-u-u-u-u-u
in dieses rettet sich mit Sprung die Maus!                         1: u-u-u-u-u-

Die Maus entkommt, hört sie s'Miau der Katze.               1|2: u-u-u-u-u-u

 

Gedeckeltes Gas

Der Topf dort auf dem Herd trägt einen Deckel              1: u-u-u-u-u-u
und unterm Topf brennt – ihn erhitzend – Gas.              2: u-u-u-u-u-

Wird aber immer teurer dieses Gas,                              2: u-u-u-u-u-
dann braucht es für sich selber schon den Deckel.       1: u-u-u-u-u-u

Wann kommt der Deckel denn – der auf das Gas?    1|2: u-u-u-u-u-

 

© elbwolf    (21.10.2022)

Montag, 17. Oktober 2022

Herbstlicher Übergang

Straßenlaterne, versteckt im Herbstlaub des Spitzahorns.
Foto: Nino Barbieri (Juni 2006); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.5

     

Übergang

Die Weiden tragen Witwenschleier.
Die Enten gründeln auf dem Weiher,
der himmelgrau die Nase kraust.

Die Wolken, Regen vollgesogen,
von Stürmen aufgepeitschte Wogen,
am Rand zerfleddert und zerzaust.

Die Sonne legt die roten Wangen
auf Wein und Rebe, voll behangen,
mit Frucht und Farbe im Gepäck.

Altweibersommer wirkt die Netze,
entschleunigt wird des Tages Hetze,
sanft färbt der Herbst das Grabgesteck.

© immergruen (A.W.)

Mittwoch, 12. Oktober 2022

Tag für Tag (III)

Notre-Dame en feu – 15-04-2019, 20:06.
Foto: GodefroyParis, via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 4.0.

"Notre-Dame wird weiterleben!"

Im letzten Beitrag ist hier angedeutet worden, es ließe sich mit den Terzinen-Mustern gut experimentieren. Wir haben uns entschlossen, einen solchen Versuch als Teamwork abzuliefern, wobei wir das Kettenreimmuster der Terzine sozusagen im Rückgriff nutzen.
Während das Schema beim letzten Mal verlangte

aba bcb cdc ded efef (mit insg. 6 Endreimen)
(a und f je zweimal in erster bzw. letzter Strophe;
b, c, d, e je dreimal in 2 Strophen)


lautet es hier folgendermaßen:

aea bab cbc dcd eded (mit insg. nur 5 Endreimen)
(a, b, c, e je dreimal und d viermal in je 2 Strophen)

Man könnte sogar versuchen, für die außen klammernden Reime die alten Reimwörter oder sogar ganze frühere Verse zu nutzen …

 

         Tag für Tag (III)


Kein Tag wird jemals vor dem Abend enden –
das hat die Sonne immer gut bemessen;
sie wird auch weiter uns die Wärme spenden.

Schon früh am Morgen ist sie wieder munter,
sie steigt von Osten auf, setzt an zu wenden,
und geht - wie anders denn? - im Westen unter.

Wir suchen oftmals das, was annehmbar;
es ist versteckt, doch farblich gottlob bunter;    
so reihen Tag und Woche sich zum Jahr.

Gar manches wird in dieser Zeit geschehen,
und letztlich finden wir's nicht sonderbar,
dass wir uns um die eigne Sonne drehen.

Wir Menschen sollten eines nicht vergessen:
wir könnten manche Weile noch bestehen,
sei unsre eigne Zeit auch kurz bemessen,
wenn nur wir selbst uns nicht im Wege stehen!

 © Luzie-R & elbwolf – Teamwork

Donnerstag, 6. Oktober 2022

Tag für Tag (II)

;

Luftaufnahme der Taritari-Bevölkerung, Juan Griego, Nueva Esparta, Venezuela
Foto: Wilfredor (11.3.2007); via Wikimedia Commons; Liz.: CC0 1.0

Am 11.12.2018 hatte ich hier ein paar Verse eingestellt und ihnen die Form einer (6-strophigen) Terzanelle gegeben. Da sich mit Terzinen-Mustern gut experimentieren lässt, hole ich hier die Terzine (als äußerer Kettenreim) nach. Das Reimschema ist sogar einfacher: aba bcb cdc ded efef.

Tag für Tag

Kein Tag wird jemals vor dem Abend enden:
die Sonne geht - wie stets - im Westen unter;
sie wird uns weiter ihre Wärme spenden.

Schon früh am Morgen ist sie wieder munter.
Es reihen sich die Tage, Wochen, Jahre;
die Sonne geht - wie stets - im Westen unter.

Wir sehen oftmals nur das Annehmbare;
doch wir sind's, die sich um die Sonne drehen;
es reihen sich die Tage, Wochen, Jahre.

Gar manches wird in dieser Zeit geschehen,
jedoch ist unsre Zeit nur kurz bemessen,
doch wir sind's, die sich um die Sonne drehen.

Wir Menschen sollten eines nicht vergessen:
Natur zu achten und sie neu erspüren –
jedoch ist unsre Zeit nur kurz bemessen,
wenn wir das Gute in uns weiterführen.

© (Luzie-R)

Samstag, 1. Oktober 2022

Kalenderblatt 10/2022 – "Osterzgebirgsbilder" von Udo Petzold

© Udo Petzold (*1950)                                              Geisinger Kirchblick (Aquarell)

 

Anderssein

Für die, die dort im Städtchen wohnen,
ist dieser Anblick nicht Tristesse:
ihr Bleiben scheint sich doch zu lohnen;
und wenn ich daran sie jetzt mess,
so wirken sie recht bodenständig.

Was hält den Menschen hier lebendig,
bewahrt ihn vor dem Großstadt-Stress?
Der Einzelne will schon sich schonen,
plant manchen Auftritt nicht so kess –
er kann hier Anderssein betonen …

 


 ↑ © Bild: Udo Petzold (s. u. Hinweis)                                                          ↑ © Text: W. Herrmann


Hinweis:
Das ©-Right für das Bild von Herrn Udo Petzold, Dresden, liegt
 – zusammen mit der Verantwortung für Bildbenennung und -datierung –
vollumfänglich beim Autor. Diese Wiedergabe entspricht einer einmaligen Gestattung
durch den ©-Inhaber und ist auch bei dieser nicht-kommerziellen Verwendung
auf "Versbildner" keinerlei Lizenzierung nach CC BY-SA 2.0-4.0 gleichgestellt!.
Sämtliche Bilder befinden sich im Privatbesitz des Künstlers.

Kalenderblatt 10/2022 –"Osterzgebirgsbilder"
von Udo Petzold (*1950)
Geisinger Kirchblick (Aquarell)

Montag, 26. September 2022

Der Chef geht in Rente - ein Sonett drauf!

Auszahlung der Altersrente in Griechenland (Ägina-Stadt) -­ leider kein "Chef" drunter!
Foto: Ziegler175, April 1987; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0

  Der Chef geht in Rente – ein Sonett drauf!

Vor dreißig Jahren wars, dass man ihn stellte
als Chef hier an die Spitze vom Büro!
Und alle brannten für ihn lichterloh,
nachdem er damals sich zum Team gesellte.

Nicht nur, dass unser Dasein sich erhellte,
man war beständig inspiriert und froh,
verlegte Akten nicht bis ultimo,
verzieh sogar manch unverdiente Schelte.

Doch irgendwann nimmt auch ein Chef den Hut,
und trotzdem geht danach das Leben weiter –    
ein Wechsel tut ja not und ist auch gut.

Nur stehst du nicht an der Karriereleiter!
Der Neue kommt von auswärts und beachtet,
dass er das Team für dreißig Jahre pachtet!

© elbwolf

Mittwoch, 21. September 2022

Das Fass

Gaetano Gandolfi (1734-1802): Alexander und Diogenes (1792);
Privatsammlung; via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.

Einer der schärfsten Parodisten unter den Lyrikern der Vergangenheit war Hanns von Gumppenberg (1866-1928). Davon zeugt noch heute sein Buch "Das teutsche Dichterroß, in allen Gangarten vorgeritten".

Mir fiel sein Gedicht "Diogenes" in die Hände, aus dem ich die 2. und die 6. (letzte) Strophe ohne die Refrains zitiere:

 

Hanns von Gumppenberg:
Diogenes (gekürzt)

(2)
Die Menschen, sie meinen,
schon Menschen zu sein –
ich suchte nur einen:
doch fand ich ihn? Nein!
Ich strich in die Ferne
bis auf den Parnaß –
Da hängt die Laterne!
Nun rast ich im Faß.

(6)
Und wenn in den Nachen
der Fährmann mich ruft,
zerrinn ich mit Lachen
in Licht nur und Luft!
Mich freut es unsäglich,
daß ich nichts hinterlaß,
nichts fest, nichts beweglich –
Gar nichts, als dies Faß.

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Das Fass –
in Geschichte und Neuzeit
/rasante Kurzdarstellung/

Vom Fass ist leicht reden,
weil's lang existiert –
bestimmt schon seit Eden:
hat Eva datiert.
Nass lag man im Grase,
dann trocken auf Stroh:
das Fass als Oase!
War Adam da froh.

In späteren Jahren
kam Alex vorbei,
nach Gordon zu fahren:
haun Knoten entzwei.
Diogen in Tonne –
den sah er sich an;
verdeckt ihm die Sonne –
das störte den Mann.

Wenn heute ein Macher
verspricht goldne Zeit,
ist's bloßes Geschacher –
die Ampel nicht weit.
Die Fülle versprechen –
das geht heut nicht mehr:
wir haben zu blechen!
Das Fass? Lange leer ...

© elbwolf (20.09.2022)

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Anm.:
Das Diogenes-Thema  wurde auf Versbildner bereits zweimal aufgegriffen:
am 5. und am 9.2.2019; außerdem Alexander & Knoten am 26.10.2014.

Samstag, 17. September 2022

Ei, ei – Genderei


Autor Netpilots: Beispiel für Pleonasmus. Gefertigt: 15-06-2021
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.


 Liebe Freunde unseres Lyrik-Blogs!

In der 2. Septemberhälfte hält der Verein Deutsche Sprache seine jährlichen Hauptversammlungen und Feierstunden für den Erhalt einer sauberen "unverhunzten" Muttersprache ab. In Dresden versammelten sich an die zweihundert Mitglieder und Gäste – es ging hauptsächlich um die schon gar nicht mehr neue und noch weniger lustige "Bereicherung" des Deutschen um das Gendern.

Nun macht die Literatur die Hochsprachenschicht jeder Sprache aus ­– Prosa, Drama, Lyrik – und ich habe mich einmal gefragt, wie denn die Lyrik mit Gendern aussähe, vor allem sich anhörte. Hier mein Beitrag:

 

Ei, ei – die Genderei!

Um einzuziehn ins Amt für Bundeskanzler*innen
muss doch zunächst mal eine*r diese Wahl gewinnen!
Hat jemand von den Kandidat*innen gewonnen,
ist für die anderen der Traum vom Amt zerronnen.
Doch brave Bürger*innen – achtet auf die Hunnen:
zu gern ersäuften die gleich Sprache mit im Brunnen!

 

Machen nicht diese wenigen Zeilen klar und deutlich, welche Tode unsere Lyrik stürbe, wenn man die "Genderierenden" gewähren ließe …

Mein methodischer Ratschlag für diejenigen, die es auch mal (mit einem Epigramm vielleicht) versuchen würden: erst scheinbar eifrig ins Horn blasen und in den letzten anderthalb Versen herablassend abservieren!

 © elbwolf, 16.9.2022