Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Montag, 27. März 2023

Essenzen; Der Tanz

Buchumschlag zu "Essenzen"

 

Der Tanz

In deinen Armen sicher schweben
mit daunenfederleichtem Schwung
Ich war so glücklich und so jung
und mittendrin in meinem Leben.

Es war ein Walzer, den wir hatten
Im Sommer der Vergangenheit
So lang, so süß, voll Seligkeit.
Verschwunden waren alle Schatten,

Minuten der Unendlichkeit
Als unsre Körper sich berührten
Mich deine Arme sicher führten
War für die Liebe ich bereit.

Der Tanz war aus, du löstest deine Hand
Der Zauber brach, die Illusion verschwand.


© immergruen (A.W.)

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Mein Büchlein trägt den Titel "Essenzen", weil es Gedichte aus 40 Jahren beinhaltet
Ich habe dafür meine liebsten Titel ausgesucht. Sie sind stilistisch nicht perfekt, aber sie drücken meine Gedanken und Gefühle so aus, wie ich sie zum Zeitpunkt der Entstehung empfunden habe.
Es ist das Geschenk, das ich mir zu meinem 80. Geburtstag mit einer sehr großen Freude gemacht habe.
Die Leser von Versbildner möchte ich darauf hinweisen, dass es das Buch nicht im Buchhandel geben wird, da es nicht über einen Verlag entstanden ist und somit auch keine ISBN Nummer hat. Es gibt es nur bei mir – wenden Sie sich bitte mit einer E-Mail direkt an mich:
sanddornzeit2311@yahoo.com
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Eine kleine Zahlenspielerei mit der Jahreszahl 80 hier noch als Zugabe:

Zu einem "Runden"

Ein Jahr vergeht im Handumdrehn.
Schon ists am Horizont zu sehn,
Es kommt, dir eine Null zu schenken,
Doch darum musst du dich nicht kränken.

So manche Null war schon gewesen.
Man kann es an den Falten lesen,
Die sie in deine Haut geschnitten,
Doch daran hast du nicht gelitten.

Du wurdest, siehst du`s mit Kritik,
Nicht älter auf den ersten Blick.
Was gilt die Zeit, was gilt die Zahl?
Ist Rechenkunst nur allemal.

Die Acht steht für Unendlichkeit
Und endlos ist die Ewigkeit.
Die Null? Die Zahl ist ohne Wert
Und das ist wirklich nicht verkehrt.

Donnerstag, 23. März 2023

Ministerschwund

Ausriss aus dem amtlichen Wochend-Pressefoto der an den deutsch-japanischen Regierungskonsultationen vom Samstag (18.3.) in Tokio Beteiligten.

 

Ministerschwund


Voller Unruhe tue ich hiermit kund,
hochgeschätzte ihr Brüder und Schwestern,
einen Fall von obskurem Ministerschwund
in den Blättern der Presse von gestern. *)

Unser Bild zeigt den Kanzler und halb am Rand
eine Frau mit dem Amt unsrer BIM*in –
als die solche ist sie nicht ganz unbekannt,
obwohl immer noch, scheint's, Debütantin.

Aber hatten zuvor wir denn nicht gehört,
dass im Reisetrupp auch unsre BAM*in?
Selbst der einfache Bürger ist da empört:
er vermisst die markante Mandantin!

Doch ich mahn euch, was das betrifft, sehr zur Ruh,
denn die BAM*in hat gar nichts zu lachen:
so ein Deal mit dem Japan ganz ohne Schmuh
geht nun wirklich nicht einfach zu machen!

Die Büros der zwei BAMs, in Berlin ratzfatz,
und das andre in Tokio, die kriegen
Telefon mit Geheimkode für jeden Schwatz,
ob die Balken sich dabei auch biegen.

Denkt mir ja nicht, dass ich etwa flachse,
denn die Sache steht schon unter Strom
und erinnert an Urständ der "Achse":
als der Dritte fehlt lediglich Rom!

Da drehste dir doch glatt um 360 Grad ...

© elbwolf

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*) gemeint ist der 19./20. März;
BIM, BAM – Bundes-Innen/Außen-Minister

Freitag, 17. März 2023

Lebensfreude

Karl Donndorf (1870-1941): Schicksalsbrunnen (1914).
Foto: Daderot, 2015; via Wikimedia Commons; Liz.: gemeinfrei.
Standort: Stuttgart, im Oberen Schlossgarten in der Nähe des Opernhauses.
Figuren: links/rechts: Allegorien von Leid/Freude; Mitte: Schicksalsgöttin.

 


Lebensfreude

Genieße jeden Deiner Tage –
es könnte schon der letzte sein!
Gewiss ist eins, Gevatter Hein
erlöst uns aus der letzten Plage.

Was ist Genuss? Nun diese Frage
stellt jeder Mensch sich ganz allein:
Genuss – im Unterschied zum Schein –
verdrängt die Vorstellung von Klage.

Genuss; Verdruss – was sind sie wert?
Sie sind meist flüchtig wie das Leben;
ihr Wechselspiel – nicht unbeschwert.

Die Übung nur nicht aufgegeben!
Genuss ist Freude – doch 'erjagen'
geht leider nicht – ums klar zu sagen.

© Luzie Rudde

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Anm.: Das Gedicht ist ein 4-füßig-jambisches "Auch"-Sonett.

Samstag, 11. März 2023

Wo einst die Ostseewellen ...

Abb. via Wikimedia Commons; ohne aktuellen Bezug zum Gedicht! *)

Wo einst die Ostseewellen ...

Wo einst die Ostseewellen "treckten an den St-rand"
da hört ihr heutzutage andre Töne rauschen
was ihr zu sehn und hören kriegt im Unterland,
darüber sollten wir hier gleich mal etwas plauschen.

Die Anrainer, die Leute rings am großen Teich,
die liebten es im Winter warm um ihre Ärsche
und bliesen deshalb froh und ziemlich listenreich
den Herrn und Damen aus dem Mänetschment die Märsche.

Und die verlegten kundig einen Vierfach-Strang
aus Röhren von dem weit entfernten Land der Reußen
am Grund der Ostsee, nahe bei Bornholm entlang,
zu uns bis an die Haustüre in Pommern-Preußen.

Kaum war sie fertig, diese Gaso-Pipelein,
da änderte ganz plötzlich sich die Wetterlage;
des Bürgers Allerwertester galt jetzt als Pein.
Drum zugedreht den Hahn und auf zur Scheidungsklage!

Doch nicht nur das! Ein Männertrupp im Schwarz-Habit,
der schiffte nach Bornholm sich ein, um dort zu tauchen.
Er hatte nichts bei sich – nur reichlich Dynamit –
gedachte, dies beim Tauchgang fleißig zu gebrauchen!

Der allergrößte denkbar mögliche Effekt
ergäbe sich, wenn eine jeder der vier Röhren
durch eine Stange Dynamit ginge "defekt" –
soll doch, wer will, sich lautstark anschließend empören.

In drei von vieren aller Fälle hat's geklappt.
Jetzt sind die so erfolgreich aufgetretnen Taucher
nicht auf der Flucht – sie leben lediglich verkappt
mang unter uns – und wir sind hier die "Endverbraucher".

/Nachnutzung freigestellt/
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*) https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grumman_S-2_Trackers_drop_depth_charges_in_April_1962.jpg?uselang=de

Montag, 6. März 2023

Spiegelbilder

Friedrich A. Sötebier (1896-1973)
"Jünglingsbrunnen", Standort: Kloster Wennigsen (Deister), seit 1973;
Foto: Hartmut Makus, 22.06.2008; via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0.

Spiegelbilder

So wag ihn doch, den Blick in einen Spiegel!
Wer ist nun der, der aus ihm sieht zurück?
Er schaut wie du, doch du spürst diesen Riegel:
er ist dir fern – und zwar ein ganzes Stück.

Dies Stück versuchst du nun zu reflektieren
Zunächst zeigt sich: die Seiten sind verkehrt –
als wollte dich der Spiegel irritieren
und Einblick in dein Inneres verwehrt.

Du grübelst lange und machst dir Gedanken
ob dieses Menschenkind ein Zufall ist;
und schon bekommen die Gedanken Ranken;
... fürs Denken hat der Mensch nur eine Frist.

Das Spiegelbild ist wie ein Blick ins Wasser,
ein Bild, das bei Bewegung sich verzerrt –
mal ist es klar und manchmal wieder blasser.
Der Mensch, um klar zu sehn, sich oftmals sperrt.

Er wird im Zerrbild Wahrheit noch erkennen,
hat er dafür die nötigen 'Antennen'.

© Luzie Rudde

Mittwoch, 1. März 2023

Kalenderblatt 03/2023 – Aufklärung geht so auch!

Ernst Heilemann (1870-1936): "Aufklärung" (~1910, Illustration aus "Lustige Blätter");
Angaben nach Wikipedia; als Kunstwerk gemeinfrei.
./.
E. Heilemann war bekannt für humorvolle Texte mit kleinen Anzüglichkeiten; wie hier:
"Da staunt ihr Kleinen: Nikolaus, Osterhase und Klapperstorch –
das ist immer nur der Papa – lasst euch bloß nichts vormachen!"




Kalenderblatt 03/2023 –"Aufklärung geht so auch"
© Wolfgang Herrmann

Sonntag, 26. Februar 2023

Bauernregeln fürs Februarwetter

Foto: "Stiller Beobachter": "Kalt draußen …" (14.02.2018)
Kameraposition: 49°16'07 N /10°35'57,1 O (entspricht ~ Hesselberg/Mittelfranken);
via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.0


 

(I) Kalt/heiß
Gibt es im Februar viel Schnee und Eis
dann wird’s in diesem Sommer tüchtig heiß.
Ist es im Februar recht lau und warm,
der Lenz kommt dann mit Frost, dass Gott erbarm;
gibt es im Februar viel weiße Wälder,
freun sich darüber Wiesen so wie Felder.
Ergo:
Der Februar ist schon sein eigner Kauz,
denn will er's nicht gefrieren lassen … taut's;

(II) Stürmisch/Kaum ein Hauch
Weht der Wind aus Nord im Februar,
meldet er sodann ein fruchtbar Jahr;
wenn der Wind aus Norden noch nicht will,
kommt mit Sicherheit er im April;
bläst im Feber aber er ins Horn,
bläst im Sommer sicher er ins Korn.
Ergo:
Der Februar muss stürmen und recht blasen,
dann hats Vieh im Lenz auch was zu grasen.

Ultima Ratio:
Wie's nun kommen wird, wird man schon sehn:
Was auch kommt .. wir lassen es geschehn!

Zusammengesucht von Luzie Rudde

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Für Neugierige: Wetterregeln für alle Monate

Dienstag, 21. Februar 2023

Die unzertrennlichen drei

 

Edmund Charles Tarbell (1862-1938): Three Sisters (Study in June Sunlight, 1890);
Milwaukee Art Museum, Wisconsin; via Wikimedia Commons; Public domain.



  A., H. und J. gewidmet!


Die unzertrennlichen drei
/Neuere Kanzone o. Canzone toscana/

Drei Mädchen waren es, von hier, vom Lande,
die eine Freundschaft band schon manches Jahr,
und die selbst Heimliches sich anvertrauten.
Zu schweigen wären sie auch nicht imstande:
Geheimnisvolles nimmt man stets für wahr –
prüft kaum, worauf die Annahmen denn bauten ...
Wozu auch, dass sie schauten –
im Leben kommt ja jede selber klar
und handelt ausgewogen.
Die drei sind eben richtig gut erzogen!

elbwolf (Schlag 0:00 Uhr am 19.02.2023)

Donnerstag, 16. Februar 2023

Limericks nach Eugen Roth

Edward Lear: More Nonsense (№ 3, ~1875, James Miller Edition); gemeinfrei

Limericks nach Eugen Roth


Der Münchener Dichter Eugen Roth (1895–1976) veröffentlichte 1966 mit © beim Carl Hanser Verlag und dann in Lizenzausgaben bei der Büchergilde Gutenberg eine Auswahl aus seinem Schaffen unter dem Titel

"Neues vom Menschen".

Dort findet sich auch ein Kapitel (S. 95-101) mit 31 Limericks, die Roth damit zu einem Zeitpunkt vorlegte, als es noch über 10 Jahre dauern sollte, bis "HME" im Auftrag des Insel-Verlags Edward Lears Kompletten Nonsens ins Deutsche "schmuggelte". Danach brauchte es noch einmal über drei Jahrzehnte, ehe sich eine (Semantik-) Formel für den Aufbau der Limerickstruktur durchsetzte, die seitdem alleiniger Maßstab für einen korrekten Limerick ist:

a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
b: ((u)u)–uu–(u(u))
a: ((u)u)–uu–uu–(u(u))

mit: – = betonte Silbe; u = unbetonte Silbe; (u) = leer oder u

Gemessen an dieser Formel genügen lange nicht alle Roth'schen Fünfzeiler heutigen Ansprüchen, wobei am häufigsten dagegen verstoßen wird, dass der zentrale Teil der Formel immer das Aussehen "–uu–uu–" (bzw. in den b-Versen "–uu–") haben muss, weil er den charakteristischen Limerick-Rhythmus hervorbringt.
Da im Umgang mit Limericks strenges ©-Right kaum einforderbar ist und schon eine Veränderung der Interpunktion einen "fremden" zu einem "eigenen" Vers machen könnte, werden hier einige der uns von Roth als defekt hinterlassenen Limericks respektlos "regularisiert":

(1)     Ihr jüngeren Brüder und Schwestern,
         Lasst ab, stets uns Ältre zu lästern!
         Wer weiß denn, was bleibt?
         Was heute ihr schreibt,
         Ist morgen schon wieder von gestern.

(3)     Die melodische Sprache der Griechen
         …

(6)     Erst gings nur ums Zeigen der Waden,
         Und dann in Familie zu baden,
         Und weiter und weiter. –
         Wir fragen, fast heiter:
         Was kann der Moral heut noch schaden?

(7)     Ringsum auf dem irdischen Balle:
         Krawalle, Krawalle, Krawalle!
         Die Welt voller Wahn
         Und schuld sind daran
         Wir alle, wir alle, wir alle!

(…)

(29)   Da war eine Jungfrau in Witten
         Die hat keinen Mann je gelitten.
         Und keiner erriet sie:
         Erst tat sie, als wollt' sie –
         Doch keinem half Flehen und Bitten.

(30)   Recht brav war ein Mädchen aus Düren,
         Das ließ erst in Köln sich verführen.
         Seine Bahn wurde schiefer,
         Und es sank immer tiefer –
         Nahm schließlich dann höhre Gebühren.

(31)   Ein schüchterner Jüngling in Ansbach
         Lief brav einer dümmlichen Gans nach.
         Längst wär er ihr Gatte!
         Doch Heil ihm, er hatte
         Den Mut nie, dass je er sie ansprach!

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Schwamm drüber!

         "Ein Mensch" in Gedichten von Roth                 u-uu-uu-
         Ist Bleibendes, das er uns bot.                           u-uu-uu-
         Da hat er begeistert                                            u-uu-u
         Mit Ruhm sich bekleistert –                                u-uu-u
         Echt bayrisch – von Korn und von Schrot!         u-uu-uu-

elbwolf (WH) / 16.02.2023
/© nur für den einzigen eigenen Limerick!/