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Jules Chéret (1836-1932, Schöpfer des modernen Bildplakats)
Werbeplakat zu Champsaurs Roman der Moderne "Liebhaber
der Tänzerinnen",
erschienen 1888; via wikimedia.commons; Liz.:
gemeinfrei
für dessen Werke das Copyright bis 2032 bei Greaves
& Thomas liegt]
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Der Gentleman
- Terzanella -
Beim Gentleman wirds abends manchmal später -
doch möchte zeitig er nach Hause gehen -
denn er ist einer dieser braven Väter.
Sein Blick umflort, die Augen leicht sich drehen -
sieht er die Schöne an der Hauswand kleben;
doch möchte zeitig er nach Hause gehen.
Nun es passiert, wie konnt es nur geschehen,
als er den Blick zur Wand hinüber wendet -
sieht er die Schöne an der Hauswand kleben.
Die Wachsamkeit jedoch bei
ihm nicht endet
er denkt sich nur, sie wird des Nachts dort frieren,
als er den Blick zur Wand hinüber wendet.
Nun hat ein Herr von Welt
sehr wohl Manieren
drum bietet er den Mantel an zum Schutze -
er denkt sich nur, sie wird des Nachts dort frieren.
Es käme der Gesundheit sehr
zu Nutze.
Beim Gentleman wirds abends manchmal später –
drum bietet er den Mantel an zum Schutze –
denn er ist einer dieser braven Väter.
©
lillii (Luzie-R, 7/2019)
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Die Tambourine
-
Terzine -
Das Mädchen mit dem
Tambourin, das traut
den Augen nicht beim
Blick auf den Befrackten:
den Typen hat sie früher
schon geschaut!
Das ist bestimmt so einer
der Beknackten,
der denkt, Zylinder und
die feinen Schuh
die machten aus ihm schon
einen Gelackten.
Er gibt dem
Tambourmädchen keine Ruh,
und das beschließt, ihn
tüchtig einzuseifen,
er dächte sonst, sie wär
'ne dumme Kuh!
So kann sie es sich
folglich nicht verkneifen,
als er ihr jetzt galant
den Mantel hält,
zunächst nach seiner
Börse flink zu greifen.
So ist das nun einmal auf
dieser Welt:
Was einer macht, muss
andern nicht gefallen:
statt frohen Muts zu
sein, ist man geprellt
und hört noch höhnisches
Gelächter schallen.
©
elbwolf (7/2019)
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Anmerkung zur Metrik:
Die Terzanelle ist eine Kombination des
Reimemusters der Terzine und einer besonderen Art einzelner Verswiederholungen.
In ihrer häufigen 19-zeiligen Form lässt sich dieses Gedicht (zumeist aus
übervollständigen fünffüßigen Jamben) als Schema und mit Worten folgendermaßen
beschreiben:
a1 b1 a2 / b2 c1 b1 /
c2 d1 c1 / d2 e1 d1 / e2 f1
e1 / f2 a1 f1 a2
Die Zeilen 1 der Strophen 2-6 (b2, c2, d2, e2, f2)
kehren nirgends wieder.
Jede mittlere Zeile der Strophen 1-5 (b1, c1, d1, e1, f1) kehrt als Zeile 3
der Folgestrophe wieder.
Die Zeilen 1 und 3 der Strophe 1 (a1, a2) kehren als Zeilen 2 und 4 in
Strophe 6 wieder.
Terzine: bei Stummer, S. 76/77.
s. unter den Schlagworten rechts außen → Terzine(n)
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