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Małgorzata
Chodakowska (* in Łódź; lebt in Dresden): "Con Amore",
Skulptur (Bronze); ©
und alle Rechte bei Małgorzata Chodakowska,
Abbildung mit
exklusiver Erlaubnis der Künstlerin.
/als moderne
Fassung einer Terpsichore empfunden/
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Die Schutzgöttinnen
der Künste sind in der griechischen Mythologie
aber
Astronomie, Geschichte sowie 4 literarische und 3 musikalische Gattungen
vertreten
sind! Auch Friedrich Schiller verließ das alte Muster und benennt in der
für Architektur,
Skulptur, Malerei, Poesie, Musik, Tanz und Schauspielkunst.
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Schillers "Göttinnen der 7
Künste"/6: Tanz
Gemeinschaft wuchs an hunderttausend
Jahre,
als sich die Horde durch die Steppe
stahl;
Bewegung schien das eigentliche Wahre,
das einer höhren Macht sich
anempfahl.
Dann siedelte der Mensch für alle Zeiten,
ging zur Entspannung auf in Rausch
und Tanz;
Gott Zeus hieß eine Tochter alles
leiten:
selbst Dionýsisches barg Eleganz.
Dem Anschein nach ging Tanzen immer weiter
–
die Göttin stimmte das besonders heiter.
Die ausgelassne Tanzerei,
die schürte
Bedenken – schlug Moral doch
schnell Alarm.
Denn selbst beim lautren Menuett
– da führte
der Herr: er reicht der
Dame seinen Arm.
Der Walzer hat das Blatt profund
gewendet;
zugleich erblühte neu auch
das Ballett.
Der Paartanz war intim und
formvollendet,
die Pirouette war es beim Duett.
Geht die Bewegung fließend
hin zum Lichte,
erzählt durch sie der Tanz
uns gar Geschichte!
© W. Herrmann, 26.10.2019
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Anmerkungen:
• Der Verfasser dieses Versuchs ist sich sehr wohl
bewusst, dass man zwar die Schiller'sche Metrik aus der "Huldigung der
Künste" nachbilden kann, dass aber niemand Schillers Wortgewaltigkeit und
die Tragweite seiner Worte erreichen könnte – und bittet daher um Nachsicht.
• Eine Schutzgöttin des Tanzes kommt schon unter den 9 olympischen Musen
in Gestalt der Terpsichore vor; ihr Attribut in Schillers lyrischem Spiel
"Huldigung der Künste" (1804) ist das Zymbal, auch Cimbalom, ein Saiteninstrument.
• Inhalt und Metrik der entsprechenden Strophe bei Schiller
lauten:
Das
hohe Göttliche, es ruht in ernster Stille, a:
u-u-u-u-u-u-u ←
Mit stillem Geist will es empfunden sein. b:
u-u-u-u-u-
Das Leben regt sich gern in üpp'ger Fülle; a:
u-u-u-u-u-u
Die Jugend will sich äußern, will sich freun. b:
u-u-u-u-u-
Die Freude führ' ich an der Schönheit Zügel, c:
u-u-u-u-u-u
Die gern die zarten Grenzen übertritt; d:
u-u-u-u-u-
Dem schweren Körper geb' ich Zephyrs Flügel, c:
u-u-u-u-u-u
Das Gleichmaß leg' ich in des Tanzes Schritt. d:
u-u-u-u-u-
Was sich bewegt, lenk' ich mit meinem Stabe, e:
u-u-u-u-u-u
Die Grazie ist meine schöne Gabe. e:
u-u-u-u-u-u
Der erste Vers weist als Besonderheit einen → 6. Versfuß auf.
• In dem z. Z. laufenden Kinofilm 'The White Crow'
über den ehem. Ballettsolisten Rudolf Nurejew (1938-93) erklärt dessen
Ballettlehrer und Mentor Pushkin ihm etwa folgendes: "Wir befähigen den
Tänzer zu fließenden Bewegungen als Voraussetzung dafür, dass er nicht nur
tanzt, sonders uns eine ganze Geschichte erzählt."
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