Hier schreiben Hobbydichter für Lyrik-Freunde – meist Gereimtes und nur Druckreifes! Willkommen also, viel Vergnügen mit unseren Gedichten und deren Bebilderung!

Aufrufe unseres Blogs erfolgen automatisch mit Sicherheitsprotokoll "https". Am 18. Mai 2022 hatten wir unseren 600. Beitrag in den Blog gestellt!

Bereits seit Jahresbeginn bringen wir neue Folgen an Kalenderblättern und Monatsbildern. Darum herum dann das, was sich an Einfällen so ergibt – man wird sehen! Nun ja, was man auch sieht: wir "unterschlagen" seit einer ganzen Weile auch einen gewissen Anteil an sanfter Erotik nicht länger - die Zeiten sind eben so ...

Wir teilen den Lesern unseres Versbildners mit und bitten um Verständnis, dass wir auch weiterhin das monatliche Angebot auf 6 Beiträge beschränken - die Kontaktarmut dieser Zeit bringt leider auch eine gewisse Ideenarmut mit sich. Neueinstellungen erfolgen damit um die Kalendertage des 1., 6., 11., 16./17., 21./22., 25.-27. eines Monats.

Freitag, 24. November 2023

Tristesse

Jan van Goyen (1596-1656): Landschaft mit zwei Eichen (1641);
Rijksmuseum Amsterdam; Foto: Alonso de Mendoza, 08.09.2016
;
via Wikimedia Commons; Liz.: Public Domain.


Tristesse

Die Welt hüllt sich in tristes Grau.
Der Wald scheint schwarz und fern.
Der Nebel webt an seinem Kleid
Aus Dunst und Regenkern.

Die Bäume altern pflichtgemäß.
Das Laub wird ihnen Last,
Die dunklen Stämme ragen stumm.
Verkahlt so mancher Ast.

Es scheint, dass alles Leben starb,
Dass alle Hoffnung ging.
Doch birgt Vergehen unsichtbar
Beginn in jedem Ding.

© A. Weinhart

Donnerstag, 16. November 2023

Vom Büchersammeln-2: Platz brauchen sie schon!

 

Der Lesesaal des British Museum in London.
Foto von Diliff (~2006); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY 2.5


Liebe Anhänger unseres Lyrik-Blogs,

nicht gleich erschrecken, denn SO VIEL an Platz für Bücher ist gut und erforderlich für das British Museum – aber für uns einfachere Leute mache ich hier drunter gleich eine vernünftigere (wenn auch durchaus anspruchsvolle) Rechnung auf!

Wieder habe ich mich nach einem Kronzeugen umgese­hen, um mir nicht alle Einzelheiten selbst ausdenken zu müssen, und wieder habe ich einen gefun­den, d. h. eine Kronzeugin, nämlich die Autorin des nebenstehend abgebildeten Buches:

Gabriele Goettle: Deutsche Sitten. 1991 im Eichborn-Verlag in einer veränderten Zweitauflage erschienen.

In ihrem Buch zählt Frau Goettle – gänzlich unkommen­tiert! – den gesamten Nachlass eines Anfang 1987 verunglückten Münchener Gymnasiallehrers auf. Und aus dieser Quelle kennen wir (neben etwa der Anzahl der Krawatten dieses Herrn) auch die Anzahl der Bücher und der Bücherschränke seiner Privatbibliothek. Beides ist so interessant, dass ich nicht zögere, dies in Form eines längeren Zitats wiederzugeben [ a.a.O., S.46/47]:

·        ~300 Bände Lexika und Nachschlagewerke;

·          ~300 Fachbücher Medizin, Chemie, Physik, Mathematik;

·         ~200 Sachbücher Pflanzen, Tiere, …, Kochbücher, …, Heimwerker;

·          ~  70 Bildbände;

·          ~100 Bände Erotica, Romane u. ä. m.;

·         ~750 Bände Philosophie, Psychologie, Soziologie, darunter

o   die ges. Werke von S. Freud, W. Benjamin;

o   die vollst. Werke von E. Bloch, Th. W. Adorno;

o   die Cotta’sche Ausgabe von J. W. v. Goethe;

o   die MEW (Marx-Engels-Werke), bis auf 2 Fehlbände.

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~1920 Bände insgesamt

Für diese Bücher war an Stellfläche in lfd. Metern verfügbar:

·        2 Bücherschränke à 1,50 m breit; je 5 Fächer *) = ~ 15 m

·        6 Bücherregale à 1 m breit, je 4 Fächer *)           = ~ 24 m

·        9 Hängeregale à 1 m breit *)                               = ~   9 m

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48 lfd. Meter insgesamt für 2,5 cm/Band *)

Damit vorhandene Stellfläche für                        = ~1920 Bände

 

Die angenommenen Kapazitäten *) sind durchschnittlich, aber völlig realistisch, und das Resultat ist geradezu verblüffend! Selbst wenn wir einmal schmeichelhaft annehmen wollen, dass Romane und Philosophen heutigentags die Plätze getauscht haben könnten.
Überprüfen Sie doch einmal Ihren eigenen Bestand an Büchern und an Stellplatz und Sie werden sehen, dass hier nicht getrickst worden ist!
Das nächste Mal kommen wir dann endlich auch zu Rezepten für das Sammeln.

         Wie jede Sache in der Welt
         Braucht auch ein Buch so richtig Platz;
         Wird‘s einfach ins Regal gestellt,
         Fühlt sich geschmäht der kleine Schatz –
         Drum gebt ihm Raum in den vier Wänden
         Und nehmt erneut ihn euch zu Händen!

elbwolf (W.H.)

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Der nächste Lyrikbeitrag erscheint hier am 23./24.11.2023.

Mittwoch, 8. November 2023

Gedankenlos

Rudolf Wacker (Bregenz, 1893-1939): Mädchen in Gedanken (1923)
Bleistift auf Papier – Geschenk für einen Kriegskameraden;
via Dorotheum & Wikimedia Commons; gemeinfrei


 

„Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.“
                                   Wilhelm Busch *)

 

Gedankenlos

Die Worte tat der Wilhelm kund –
sie kamen einst aus seinem Mund.
Sie tönen da bis heut‘ ins Ohr;
ich denke dann, mach dir nichts vor
und leg die Feder flugs beiseite;
es wird doch wieder eine Pleite …

Gedanken – nehmen sie Reißaus –
belassen mich allein zu Haus.
Ich flieh ins Freie … mich zu sammeln,
und nicht Gedanken nur zu stammeln,
such im Gehirn, sie dort zu finden –
Gedanken … schwer sind sie zu binden.

Ich seh‘ den Wolken nach – sie fliehen;
seh‘ gleichsam sie mit Wolken ziehen
und wirbeln rund um mich herum;
Ach Gott, denk ich, und bleibe stumm
ich bin heut mal gedankenlos
und eben nur ein Trauerkloß.

Ich wollte schreiben ein Gedicht
von Liebe, Leid – aus meiner Sicht.
Gedanken lassen sich nicht zwingen!
Merk, Mädchen, das! Denn zum Gelingen
langt‘s heute sicherlich nichts mehr,
bin einfach zu „gedankenleer“.

Den Busch als guten Dichtervater
erkür ich mir als den Berater :
schrieb er doch einstens ganz dezent,
wie man mal einen Tag verpennt:
Gedanken sind nie stets parat,
drum schreibt auch, wer mal keine hat.

©
Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.11.2023 eingestellt.

*) ein gut formulierter Gedanke, aber als Reim? Unmöglich!

Mittwoch, 1. November 2023

Kalenderblatt 11/2023: Meine Wahlheimat – vor einhundert Jahren.

Rudolf Döring (1888-1969?): Blick in Dresden vom Ring in die Seestraße.
Titelbild der Wochenendbeilage des ″Dresdner Anzeiger″, 1.12.1929.
(Besitz, Verbleib des Bildes und evtl. Rechte sind z. Z. nicht nachweisbar)


Meine Wahlheimat – vor 100 Jahren

Dies gleich: da war ich noch nicht auf der Welt,
und bald schon könnte ich es nicht mehr sein.
Was also zeigt uns dieses Bild so fein:
ich hab es nicht gesehn und nicht bestellt!

Doch an der Stadt ist manches, das gefällt:
sie war schon damals überhaupt nicht klein,
nur leider ist von ihr fast gar nichts mein –
ich pfeif′ darauf und fühle mich als Held.        

Nun wohne ich nicht hier, es ist zu laut –
bewohne ein recht stilles Vorstadt-Eck
und das ist einer Vorstadt auch ihr Zweck.

Wer solcherart mein Dasein überschaut,
der findet schnell heraus, um was es geht:
um Friedvolles, das nicht von selbst entsteht.
 
 

Kalenderblatt 11/2023 –"Meine Wahlheimat – vor 100 Jahren"
Verse © Wolfgang Herrmann al. elbwolf

Sonntag, 22. Oktober 2023

Vom Büchersammeln-1

 

Sammlung aus verschiedenen Ausgaben von Mary Shelley’s ″Frankenstein″
Foto: Andy Mabbett (5/2013); via Wikimedia Commons; Liz.: CC BY-SA 3.0


Liebe Anhänger unseres Lyrik-Blogs,

heute – und in einer sporadisch nachfolgend erscheinenden kleinen Serie – einmal etwas ganz anderes: kaum gereimt, aber textlich durchaus von einigem Interesse ...
Etwas ″sammeln″ ist eine nicht wegzudenkende Beschäftigungsmöglichkeit des Menschen, will sagen: der Menschen. Eine Antwort auf die Frage ″was sammeln″ ist gar nicht gefragt, denn sammeln lässt sich alles und jedes. Eine andere Frage ist schon die nach dem ″wie viel sammeln″ und als Konsequenz: wie viel Sammlungselemente machen eine Sammlung aus?

Ein Beispiel dazu.
Angenommen, Sie sammeln Briefmarken und besitzen schon einmal die Blaue Mauritius, die 9-Kreuzer-Baden und die rote Sachsen-Dreier. Drei Marken – aber eine kaum zu übertreffende Sammlung! Alt-Komiker Georg Schramm aus der früheren TV-″Anstalt″ würde das so kommentieren: ″Kleiner Scherz!“ Es sollten schon ein paar Sammlungselemente mehr unter den Leuten kursieren – und bei Büchern ist das der Fall. Mindestens drei könnten aber eine Sammlung bilden!

Das Büchersammeln kann sich dagegen auf sehr verschiedene Art und Weise vollziehen. Um mir nicht alles Diesbezügliche selber ausdenken zu müssen, habe ich mich nach einem Kronzeugen umgesehen – und bin fündig geworden:
Umberto Eco: Bücher sprechen über Bücher. 2015 bei Carl Hanser Verlag erschienen – eine nur mal 40-seitige, echt Eco’sche ″Giftspritze″, die auch so beginnt:
″Das Sammeln alter Druckwerke kommt wieder in Mode. Das ist merkwürdig in einer Zeit, die vom Aufbruch ins elektronische Publizieren gekennzeichnet ist. Oder vielleicht ist genau das der Grund: Wenn ein Gegenstand im Verschwinden begriffen ist, werden die übriggebliebenen Exemplare zusammengetragen.
Die Sammelwut betrifft die unterschiedlichsten Gegenstände: {...} geht man auf den Flohmarkt, so trifft man leidenschaftliche Sammler, die nach Telefonkarten suchen, nach Freimaurergegenständen, Postkarten, Aufklebern, ... Rasierklingen, Diplomen ...
Natürlich grenzt so etwas an Wahnsinn, während es sich beim Sammeln alter Bücher um etwas ganz anderes handelt″.                                                                                            [a. a. O., S. 5]
Um was es sich aber bei unserer Art Büchersammeln NICHT handelt, das ist ein ″Aufsammeln″ (allen Bedruckten, das zwischen zwei Deckeln eingebunden ist und uns den Weg versperrt) und auch nicht ein ″Ansammeln″ (durch Einstellen ausgelesener Bücher in ein Regal, um nie wieder auf sie zurückzukommen).
Was also ist es? Ein effektives Mittel, um die Flut an Büchern zu unserem eigenen Nutzen zu begrenzen. In einer kleinen Schrift, die aber wiederum ein Buch wäre, will ich dazu eine Anleitung geben.

Kein Debütant verbricht solch Buch;
nennt ihn auch keinen Dilettanten –
zu viel an Büchern ist ein Fluch:
es fehlen einfach Intendanten!
Drum nehmt dies hin als
den Versuch
mit Ecken noch und vielen Kanten –
und nicht bloß als ein rotes Tuch,
geschwenkt von einem Querulanten!

elbwolf (W.H.)

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Für das verspätete Posten dieses Textbeitrages bittet der Verfasser um Entschuldigung.
Der nächste Beitrag erscheint hier zum Monatswechsel.

Mittwoch, 11. Oktober 2023

Salomos Spruch

Pedro Berruguete (1450-1504): Salomon, ~1500.
Standort: Santa Eulalia, Parades de Nava; via Wikimedia Commons; lizenzfrei.

 

                           – Salomos Spruch –
          Ja, Weisheit übertrifft die Perlen an Wert,
          Keine kostbaren Steine kommen ihr gleich.

 

Salomos Sprüche
– ein Auch-Sonett –

Ein Spruch, wie Salomo ihn brachte,
gehört nicht zu den Billigwaren –
er ist gefügt zu offenbaren,
wie man vom großen Ganzen dachte.

Erfahrungen, die er einst machte
in Stunden, Tagen oder Jahren
gab er uns preis und wir erfahren,
wobei man weinte oder lachte.

Es nutzt uns schon, fortan zu wissen,
was er uns zu berichten hatte,
und das sind nicht nur Kurzgeschichten!

Denn Salomo war nie beflissen;
gab andrerseits auch nie Rabatte
er lehrte einfach uns die Pflichten ...

© Luzie Rudde

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Der nächste Beitrag wird am 16./17.10.2023 eingestellt.

Sonntag, 1. Oktober 2023

Kalenderblatt 10v2023 – Moden sind nun mal vergänglich!

Zwei hochgeschlossene Abendkleider und eines mit Ausschnitt.
Modebeilage einer Zeitschrift Anfang der "Goldenen 20er Jahre" (oder früher)

 

Moden sind nun mal vergänglich

Grad noch der Mode letzter Schrei ...
da war's mit dieser schon vorbei!
Doch was war vor ihr denn im Schwange,
und was wird nach ihr sein zugange?

Nun, vorher trugen Adelsbienen
nur unbequeme Krinolinen –
die hielten ab und auf Distanz
Galane, aber niemals ganz.

Und nachher kam sofort Marlene,
die steckte ihre schlanken Beene
flugs rein in eine Männerhose;
ihr Mundwerk aber war recht lose.

Heut folgt auf breiter Front ... Tattoo;
das kennt kein einziges Tabu
und legt die Modefans aufs Kreuz.
Die merken's nicht mal, nein – die freut's!

 

 


 Kalenderblatt 10/2023 –"Moden sind nun mal vergänglich!"
Verse © Wolfgang Herrmann al. elbwolf

Samstag, 23. September 2023

Von der Zeit

MsSaraKelley: Pedley Street (2013); Liz.: CC BY 2.0
Quelle: Back to the Future by Graffiti Life; via Wikimedia Commons

 

Von der Zeit

Es dreht sich stets, das große Rad,
An dem das Unbekannte zog.
Die Zeit – mit eingeteiltem Takt –
Schließt jeden ein in ihren Sog.

Die Lebenszeit, sie steht nicht still,
Ist wie ein Uhrwerk, das uns treibt,
Das seit dem ersten Tag beweist,
dass nichts von allem übrig bleibt.

Schau auf den Weg im Jetzt und Heut,
Es ist der deine ganz allein.
Geh ihn bewusst zu jeder Zeit,
Dann wird die Zeit dir gnädig sein.

Und kommt der letzte Glockenschlag,
Das Zeitrad steht ganz plötzlich still.
Dann hat man alle Zeit der Welt.
Ob man sie dann noch haben will?

© A. Weinhart

Freitag, 15. September 2023

Eile mit Weile

Marianne von Werefkin (1860-1938): Sturmwind, ~1915-17.
via Wikimedia Commons; gemeinfrei.

 

Eile mit Weile

Gibt's wirklich einen Anlass für den Spruch?
Ist er bloß ausgedacht? Denn beide Teile
erscheinen doch wie aufgesetzt in Eile:
die Sollstelle für vorbestimmten Bruch …

Als scheuten wir vor brandigem Geruch,
der uns ganz unerwartet eine Weile
zwingt einzuhalten, statt in Windeseile
zu unternehmen anderen Versuch.

Nun, abzuwägen gänzlich neue Mittel,
das brauchte schon ein Quäntchen mehr an Zeit
und solcher Aufwand tut uns meistens leid.

Da wählen wir kaum anderes Kapitel
und bleiben umständlich am alten Ort –
selbst der, der eilt, muss kaum gleich jemals fort.

© elbwolf

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Hinweis:
Nächster Beitrag wird am 23.9. online gestellt!