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Dienstag, 21. November 2017

Vier-Säfte-Lehre (Heliane Meyer als Gast)

Vierteiliges Bühnenbild für die Posse "Das Haus der Temperamente" von Johann Nestroy *)
Kolorierter Kupferstich von Andreas Geiger nach Johann Christian Schöller, 1838.
( Quelle: wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei )

Vier-Säfte-Lehre  **)

„Es gehen vier Menschen gemütlich spazieren,
sind freundlich und umgänglich beim Diskutieren,
erörtern die Welt, unsern Gott und die Sterne
und sehen erstaunt einen Fels in der Ferne.

Sie nähern sich vorsichtig, möchten gern weiter.
Der erste springt drüber, bleibt fröhlich und heiter,
der zweite umgeht ihn im größeren Bogen,
der dritte verzweifelt und fühlt sich betrogen.

Der vierte gerät in verbiestertes Wüten,
liest zeternd und rasend dem Stein die Leviten,
versucht, ihn mit Kraft aus dem Wege zu stoßen,
den schweren und störenden Felsen, den großen.“

Galenos aus Pergamon sah das Geschehen,
wollt gerne die Handlungen besser verstehen.
Er suchte und fand schließlich wichtige Säfte,
die täglich bescheren uns Schwächen und Kräfte.

Entdeckte im Blute das heitere Wesen,
ein aktives Sein ohne Erbsen zu lesen;
im Schleim große Faulheit und schwerfällig Sinnen
nebst fehlendem Antrieb, den Tag zu beginnen.

Im schwärzlichen Gallensaft fand er die Trauer,
ein Dasein, umgeben von trutziger Mauer;
im gelben hingegen ein Schreien und Wüten,
die Blindheit, das Wichtige gut zu behüten.

So teilte Galenos in vier Charaktere
und schuf die bedeutsame Flüssigkeitslehre.
Es sagen die Jahre und Forschung inzwischen,
dass unsere Säfte sich meistens vermischen.

© Heliane Meyer (24.02.2016; im "Musengarten" erstveröffentlicht)
© für die Vignette: Heliane Meyer
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*) Es bewohnen
das blaue Zimmer eine Sanguiniker-Familie, das gelbe Zimmer – Phlegmatiker,
das graue Zimmer – Melancholiker, das rote Zimmer – Choleriker.

**) Die Vier-Säfte-Lehre war die Grundlage für die Humoralpathologie, eine bereits in der Antike aufgestellte (später von Galenos systematisiert dargestellte) und bis ins 18. Jh. allgemein anerkannte Lehre von den Körpersäften (lat. humor = Feuchtigkeit, Körper- oder Leibessaft), deren richtige Mischung Gesundheit bedeute, ihr Ungleichgewicht aber Krankheit verursache. Von ihr leitet sich die Temperamentenlehre ab, ein Persönlichkeitsmodell, das Menschen nach ihrer Grundwesensart einteilt. (nach Wikipedia)
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Heliane Meyer
Der Gast unseres Beitrags ist eine Berlinerin. 
Schon als kleines Mädchen "überkam" Heliane das Reimen auf Situationen ihrer Umgebung. Dann im Jahr 2007 schloss sie sich einem Gedichteforum im Internet an, in dem sie 2012 eine Gruppe gleichgesinnter Dichterinnen und Dichter gründete – "Die Glühbirnen". In wechselnder Zusammensetzung beschäftigt sich die Gruppe neben modernen auch mit klassischen Strophenformen und hat bereits fünf Sammlungen eigener Gedichte herausgegeben.
Seit 2013 besteht mit dem "Musengarten" ein eigenes Gedichteforum als Treffpunkt für Sprachbastler, Hobbydichter und erfahrene Autoren, das Gäste wie Mitglieder willkommen heißt, und das Heliane Meyer mit Unterstützung der "Glühbirnen" verwirklicht hat.
 © für Vignette; auf fotografische Ähnlichkeit hat Heliane keinen Wert gelegt!

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