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Joshua Reynolds (1723-92):
David Garrick *) zwischen Tragödie und Komödie (1761)
Sammlung Waddesdon
Manor; via wikimedia.commons; gemeinfrei.
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Die Schutzgöttinnen
der Künste sind in der griechischen Mythologie
aber
Astronomie, Geschichte sowie 4 literarische und 3 musikalische Gattungen
vertreten
sind! Auch Friedrich Schiller verließ das alte Muster und benennt in der
für Architektur,
Skulptur, Malerei, Poesie, Musik, Tanz und Schauspielkunst.
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Schillers "Göttinnen der 7
Künste"/7: Schauspielkunst
Die Schauspielkunst zeigt ihre zwei
Gesichte:
aufs Tragische zurück das
eine schaut;
das andre blickt nach vorn
und auf zum Lichte,
weil es gewohnt auf den
Erfolg vertraut.
Steht einer jedoch mitten
im Gedränge –
wo findet er den Ausweg
aus der Not?
Nur schwer zu meistern
geht des Alltags Enge –
nicht jeder Tag beginnt
mit Morgenrot.
Dass sich das Schicksal schließlich
wieder wende,
wird manchmal wahr; bleibt
manches Mal Legende.
Die Kunst bringt Ungewisses
auf die Bühne,
bedient sich der
Versuchung liebend gern:
das Abbild von Erfolg, von
Schuld und Sühne
ist keinem menschlichen
Akteur je fern.
Er lässt uns so die Szenen
nacherleben
und mildert Freud wie
Leid, sofern er kann;
allmählich dann erfasst
auch uns Bestreben,
bringt endlich künftig
Nützliches voran. –
Und seid ermahnt: an
Wünschen nicht zu viele!
Bedenkt – es sind ja doch
Theaterspiele …
© W. Herrmann, 20.11.2019
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Anmerkungen:
*) David Garrick (1717-79) war ein berühmter englischer
Schauspieler des 18. Jh., des Zeitalters der Aufklärung. Er war
sowohl als Komödiant als auch in ernsten Rollen besonders auf den
Londoner Bühnen erfolgreich.
Reynolds Bild " David Garrick zwischen Tragödie und
Komödie" wird in moderner Auslegung auch als "Der Mann
zwischen Laster ("vice", li) und Tugend ("virtue", re)
interpretiert.
• Thalia ist die Muse der komischen
Dichtung und der Unterhaltung. Später wurde Thalia allgemein als die
Beschützerin aller Theaterspielstätten angesehen. Ihre Zeichen, mit denen sie dargestellt
oder beschrieben wird, sind die komische Maske, der Efeukranz und
der Krummstab des Schäfers, Sie
gilt als ländliche Frau.
• Melpomene ist die Muse der tragischen Dichtung
und des Trauergesangs. Ihre Zeichen sind die tragische Maske in der einen und
eine Keule in
der anderen Hand, sowie ein Hauptkranz mit Weinlaub.
• Inhalt und Metrik
der entsprechenden Strophe bei Schiller lauten:
Schauspielkunst (mit einer Doppelmaske).
Ein Janusbild lass' ich vor dir erscheinen, u-u-u-u-u-u
Die Freude zeigt es hier und hier den Schmerz. u-u-u-u-u-
Die Menschheit wechselt zwischen Lust und Weinen, u-u-u-u-u-u
Und mit dem Ernste gattet sich der Scherz. u-u-u-u-u-
Mit allen seinen Tiefen, seinen Höhen u-u-u-u-u-u
Roll' ich das Leben ab vor deinem Blick. u-u-u-u-u-
Wenn du das große Spiel der Welt gesehen, u-u-u-u-u-u
So kehrst du reicher in dich selbst zurück; u-u-u-u-u-
Denn, wer den Sinn aufs Ganze hält gerichtet, u-u-u-u-u-u
Dem ist der Streit in seiner Brust geschlichtet. u-u-u-u-u-u
Die
Verse 5-8 zieren das Giebelfeld des Stadttheaters in Duisburg:
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Stadttheater Duisburg, Giebelfeld mit Schillers Versen.
Foto + ©: Andreas Praefcke (2011); via
wikimedia.commons. Liz.: CC BY 3.0
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• Der Verfasser dieses Versuchs ist sich sehr wohl bewusst, dass man zwar die Schiller'sche Metrik aus der "Huldigung der
Künste" nachbilden kann, dass aber niemand Schillers Wortgewaltigkeit und
die Tragweite seiner Worte erreichen könnte – und bittet daher um Nachsicht.
Aber nur noch für dieses Mal – denn die Serie ist
hiermit zu Ende!
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