 |
Oswald Achenbach
(1827-1905): "Ansicht von Neapel bei Sonnenuntergang".
Auktionsfoto von
Sotheby's, ~1960; via wikimedia.commons; Liz.: gemeinfrei.
./.
Jeder Kenner Neapels
weiß: das Bild zeigt den Blick auf den Vesuv vom Golf aus,
in Richtung Osten! Selbst
damals war das doch wohl kein Sonnenuntergang!
|
Tagwerk
Den
neuen Tag seh ich sich heben
und
unser Dasein neu beleben
am
Ende einer jeden Nacht.
Und
hat's der Morgen dann vollbracht,
so
lohnt sich auch erneutes Streben.
Wer
nur will am Vergangnen kleben,
vielleicht
in höhren Sphären schweben,
der
hat nicht einmal angedacht –
den
neuen Tag.
So
ist es mit dem Erdenleben
und
mit dem Tag-in-Tag-Verweben:
dass
mancher andre drüber lacht,
doch
auch kein andrer drüber wacht.
Wir
können ihn nur selbst uns geben –
den
neuen Tag.
©
elbwolf, 27.10.2019
Uhrzeit
Die hundert Uhren an der Wand,
bewegen sich von
Geisterhand;
die Pendel gehn auf eigne
Weise:
das eine laut, das
andre leise –
und jede Uhr trägt ihr
Gewand.
Sie ticken da im
Zeitverband
und weil die Zeit
bisher nie schwand,
sind sie zusammen auf
der Reise,
die hundert Uhren …
Die Zeit steht nie, in
keinem Land,
es kommt nur jeder
Mensch zum Rand,
beendet einmal seine
Reise –
der bleibt naiv, der
da ward weise.
Drum nutze du stets
mit Verstand
die hundert Uhren!
© Teamwork (Luzie-R, elbwolf 27.10.2019)
 |
Urania-Weltzeituhr, Berlin, Alexanderplatz (aufgestellt 1969,
Denkmalsschutz 2015)
Designer: Erich John; Teamarbeit von 120 Gewerken.
Foto: HerrAdams, 03.07.2014; via wikimedia.commons; Liz.: CC BY-SA 4.0
|
---------------------------------------------------------
Als beispielhaftes Rondeau hat Grümmer in seinem Buch
'Spielformen der Poesie' (S. 172-174) das hier am Schluss wiedergegebene
Rondeau von Weckherlin gesetzt, der es zur Zeit von Opitzens Reform der
deutschsprachigen Lyrik (1641) verfasst haben dürfte; es zeigt Struktur,
Reimung und Rhythmik.
Rondeaus haben als charakteristisches Merkmal nur zwei
Reimsilben a und b und eine nicht-mitreimende Refrainzeile (R), die mit Blick
auf eine mögliche spätere Vertonung als Lied erwünscht wäre und deshalb von
vornherein vorgesehen wurde. Der Refrain R ist identisch mit dem Anfang des
allerersten Verses.
Das Gedicht hat insgesamt 15 Verse in 3 Strophen (oder
Absätzen) und reimt so:
aabba aabR aabbaR
nach Georg Rudolf
Weckherlin (1584-1653):
An die Marina (Rondeau)
/dem heutigen Deutsch
angeglichen/
a: Du weißt doch, was
für schweres Klagen,
a: für große Schmerzen,
Sorgen, Plagen
b: mich deine Schönheit zart und
rein
b: und deiner braunen Augen
Schein
a: schon lange Zeit ließ nach
dir fragen.
a: Wie lange müssen wirs
ertragen,
a: wo Liebe beide uns
geschlagen,
b: dass fehlt, was uns zupass
wird sein –
R: du weißt doch, was
…
a: Lass uns aus diesem Grund
nicht zagen
a: und mir es drum auch nicht
versagen,
b: mit Küssen stillen alle
Pein,
b: und weil wir grade ganz
allein,
a: es endlich bis zum Ende wagen
–
R: du weißt doch, was
…
© für die moderne Adaptation: elbwolf, 27.10.2019
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen